Schule aktuell

Die Allianz Bildungsmedien Österreich will die digitale Schule mitgestalten

Schulbuchverlage haben sich zur Allianz Bildungsmedien Österreich formiert. Ihre Wünsche an die Politik: ein rechtlicher Rahmen für die Digitalisierung, langfristige Finanzierungszusagen und politische Mitsprache.

Was jetzt-Redaktion - 9. April 2021

MEHR_wasjetzt_ Allianz Bildungsmedien Österreich

Um weiterhin hochwertige Bildungsinhalte zu garantieren, haben sich Schulbuchverlage und EdTech-Unternehmen vereint. Als Allianz Bildungsmedien Österreich wollen sie die digitale Schule auch politisch mitgestalten – mit sechs Wünschen.

Bildungsminister Heinz Faßmann hat mit seinem 8-Punkte-Plan die Route zur digitalen Schule vorgegeben. Darunter der Ausbau der Infrastruktur, digitale Endgeräte für Schulklassen und Fortbildungen für Lehrende. „Ein Meilenstein. Jedoch fehlt im 8-Punkte-Plan ein entscheidender Punkt: die Bildungsinhalte“, sagt Maximilian Schulyok, Geschäftsführer des Österreichischen Bundesverlags beim Pressegespräch der frisch gegründeten Allianz Bildungsmedien Österreich (ABÖ). „Die digitale Schule wird nur mit guten österreichischen Bildungsinhalten funktionieren.“

Aus diesem Grunde haben sich sowohl Schulbuchverlage als auch EdTech-Unternehmen vereint, um gemeinsam mit einer Stimme die Interessen der Bildungsmedien zu vertreten und der Politik ihre Expertise zu offerieren.

„Die digitale Schule wird nur mit guten österreichischen Bildungsinhalten funktionieren.“

„Wir sind überzeugt, dass nur qualitätsgesicherte Bildungsmedien zu individuellen Bildungserfolgen führen“, sagt Markus Spielmann, ABÖ-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Helbling Verlags. Ihre hochprofessionelle Entwicklung sei ein dynamischer Prozess, der ständig angepasst werden müsse, um der Aktualität der Inhalte, der Usability und den technischen Voraussetzungen sich wandelnder Digitalmedien zu entsprechen. Außerdem brauche gutes Lernmaterial ein hohes Maß an methodischem und inhaltlichem Wissen, das eine längerfristige Zusammenarbeit mit Fachleuten und Institutionen voraussetzt.

Das übergeordnete Ziel der ABÖ: gesetzliche Rahmenbedingungen, die eine Entwicklung hochqualitativer Bildungsmedien auch langfristig garantieren können. Dazu fehle aber ein Regelwerk, das die Urheberrechte und Nutzungsrechte berücksichtigt und den Umgang mit personenbezogenen Daten und Datensicherheit sichere, so Spielmann.

Ihre Anliegen richtet die Allianz Bildungsmedien Österreich in folgenden sechs Forderungen an die Politik.

1. Wahlfreiheit bei Lehrmaterialien sicherstellen

Die erste Forderung sieht vor, dass Schulen selbst entscheiden können, welche Lehrmaterialien sie einsetzen. Denn: Nur die gelebte Konkurrenz führe zu einer Vielfalt der Werke und einer entsprechend hohen Qualität der Bildungsmaterialien.

2. Bekenntnis zur Digitalisierung des Bildungssystems

Für einen sinnvollen Einsatz digitaler Bildungsmedien müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Es müsse erlaubt werden, dass etwa künstliche Intelligenz als Basis für Lernprozesse genutzt werden könne.

3. Einbindung in bildungspolitische Prozesse

Die vorhandene Expertise der ABÖ-Mitglieder soll bei der Lehrplanentwicklung oder der Umsetzung von Digitalisierungsschritten genutzt werden. Die Bildungsmedienanbieter wollen ihren Beitrag als Experten und Expertinnen in der Entwicklung zeitgemäßer Bildungsmedien leisten. Darüber hinaus bieten sie sich auch als aktive Diskussionspartner/innen und Mitgestalter/innen an.

4. Sicherung und Erweiterung der Finanzierung der Bildungsmedien

Es brauche langfristige finanzielle Rahmenbedingungen für digitale und analoge Bildungsinhalte. Dies sei auch ein Beitrag der öffentlichen Hand zur Bildungsgerechtigkeit. Nur mit steigenden Bildungsetats könnten Bildungsmedien auch Entwicklungen vorantreiben und langfristig den Lehrenden, Lernenden und Eltern ihren Service bieten.

5. Evaluierung der Approbation

Die Approbation ist ein Begutachtungsverfahren von Lehrmedien und eine Voraussetzung dafür, dass diese im Rahmen der Schulbuchaktion finanziert werden. Die Qualitätssicherung von Bildungsmedien sei ein wichtiger und notwendiger Vorgang, allerdings sollte dieses Verfahren an die neuen Rahmenbedingungen der Digitalisierung angepasst werden, um deren Vorteile bestmöglich zu nutzen. Die Bildungsmedien bieten an, gemeinsam mit den Ministerien an dieser Adaption zu arbeiten. So könnte man schneller auf aktuelle Entwicklungen reagieren und diese auch nutzen. Außerdem würden die Selbstverantwortung der Ersteller und die Verlässlichkeit ihrer Produkte steigen.

6. Einhaltung des Urheberschutzes und des Datenschutzes

Der Urheber- und Datenschutz sind besonders in Zeiten der Digitalisierung zu beachten. Ein Zuwiderhandeln sollte entsprechend sanktioniert werden. Es sei besonders erforderlich, die Ungleichbehandlungen zwischen Bildungsmedienanbietern und globalen Plattformen wie Google oder Microsoft zu beenden, um die „Abhängigkeit von monopolistischen Technikkonzernen“ zu reduzieren. Nutzungsdaten von digitalen Bildungsmedien dürften keinesfalls für Werbezwecke genutzt werden. Es brauche hier auch eine umfassende Aufklärungsarbeit beim Lehrpersonal, heißt es beim Pressegespräch.

 

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