Schwerpunkt: Wandel

Auf ein Wort: Veränderung in der Schule

Kein Schultag, keine Ausbildung ohne Veränderung. Sei es im Unterricht, in der Praxis, aber auch im Privatleben. Wir haben uns in der Gartenbauschule Langenlois umgehört, wie Schülerinnen und Schüler, aber auch das Schulpersonal mit Veränderungen umgehen.

Aufgezeichnet von Katharina Brunner, Fotos: Christopher Mavrič - 26. Februar 2020

 

Larissa Rentmeister, 19
Schülerin, im ersten Lehrjahr an der Berufsschule für Gartenbau

 

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Absolut, man muss sich mitverändern. Mal mehr, mal weniger.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Von zu Hause auszuziehen, ins Berufsleben einzusteigen und alles selbst zu organisieren. Gleichzeitig war das auch eine sehr positive Erfahrung. Ich verdiene mein eigenes Geld, ich bin viel selbständiger.

 

Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Ja, den meiner Mutter, weil sie mehr Lebenserfahrung hat. Bei vielen Dingen in der Berufswelt hab’ ich mich am Anfang etwas unsicher gefühlt, da hilft es mir sehr, mit meinem Freund, der das schon länger kennt, darüber zu reden.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Dass die erste Ausbildung sehr wichtig ist, dass ich aber nicht bei einem Beruf bleiben will, sondern mehrere Ausbildungen machen möchte. Goldschmiedin interessiert mich zum Beispiel sehr.

 


Wolfgang Funder, 37
Lehrer für Gemüsebau, Betriebswirtschaft und Marketing

 

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Ja schon, aber ich selbst suche eher Stabilität. Rund um mich verändert sich ständig so viel, Einfluss von außen kann man ja nicht steuern, darum versuche ich, selbst stabil zu bleiben.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Privat war es die Entscheidung, von Kärnten nach Wien zu ziehen und dort auch zu bleiben. Beruflich war es der Schulwechsel. Von einem System in ein anderes zu gehen, ist immer schwierig, auch wenn es derselbe Schultyp ist.

 

Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Definitiv. Vor allem von meinem Lebenspartner. Wichtig sind auch Kollegen, denn sie wissen, wovon ich rede. Denen muss ich nicht zuerst grundsätzlich das System, die Werte erklären, sondern sie verstehen mich.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Je schneller man Veränderungen annimmt, desto leichter tut man sich mit ihnen. Und: Veränderung gelingt viel leichter, wenn ich aufs Positive und nicht aufs Negative schaue.

 


Anita Fichtinger, 37
Sekretärin

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Sich selbst verändern nicht unbedingt, aber man sollte einen Kompromiss eingehen. Bereit sein für Neues, nicht festgefahren sein.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Ich sehe das als Herausforderung, die ich annehme. Wenn die Situation schwierig ist, ist das eben so. Ich passe mich an und arbeite weiter. Organisation ist wichtig. Wenn man gut plant, hat man ein Netz, das einen auffängt.

 

Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Ja, auf jeden Fall bei einer Person, die mich gut kennt und die sich gut in mich hineinversetzen kann.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Dass ich kompromissbereiter und offener sein sollte. Hin und wieder fällt es mir schwer, wenn sich spontan was verändert.

 


Martin Ellenberger, 44
Haustechniker

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Ich bin nicht dafür, dass man sich komplett der Wirtschaft anpassen muss. Aber man muss sich Herausforderungen definitiv stellen.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Vor fünf Jahren wurde unser behindertes Kind geboren. Das hat mein Leben von Grund auf verändert. Ich sehe es auch ganz anders, viel nüchterner. Insgesamt wurde ich aber auch viel dankbarer, vor allem in Bezug auf meine Arbeit mit jungen Menschen.


Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Das ist nicht so meins. Für mich ist es eher wichtig, darüber zu reden und anderen zuzuhören.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Dass wir jetzt leben, und nicht in zwei Jahren, und dass wir jetzt das Beste daraus machen müssen.

 


Yvonne Döller, 18
4. Klasse, Gartenbaufachschule

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Eindeutig ja. Wenn ich vergleiche, wie ich war, als ich hierher kam, und wie ich jetzt im letzten Schuljahr bin, erkenne ich eine enorme Veränderung. Am Anfang war ich unsicher, jetzt bin ich persönlich stärker geworden und weiß jetzt, was ich will.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Vor zwei Jahren, als mein Vater verstarb, hatte ich eine besonders schwierige Zeit. Das war sicher die größte Veränderung.

 

Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Ja, da hab’ ich ganz viel mit Freunden und meiner Familie gesprochen, weil ich nicht wusste, wie das Leben nun weitergeht und was sich verändert.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Dass man nichts voraussagen kann. Vieles passiert abrupt, man muss alles auf sich zukommen lassen und Schritt für Schritt weitergehen.

 


Andreas Kovac, 47
Leiter der Berufsschule für Gartenbau, Lehrer für Zierpflanzenbau, Pflanzenschutz und Englisch

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Ich sag’ den Schülerinnen und Schülern immer: Alles ist im Fluss. Panta rhei. Man soll offen und flexibel sein. Die Ungewissheit wegen Veränderungen darf kein Grund dafür sein, Angst vor der Veränderung selbst zu haben. Hab’ ich natürlich auch manchmal, aber man muss es einfach angehen, daran arbeiten, einfach ausprobieren.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Den inneren Schweinehund zu überwinden und den Wandel wirklich anzugehen. Fast alles ist möglich, man muss sich nur trauen.

 

Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Auf alle Fälle. Ich versuche immer, von den Fehlern anderer zu lernen, dann brauch ich sie nicht selber zu machen.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Es wird immer wieder neue Situationen geben, also soll man sie annehmen und sie nicht als Problem ansehen, sondern als Herausforderung.

 


Gabriele Trautinger, 49
Meisterin und Lehrerin für Gemüsebau

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Wahrscheinlich schon. Bis zu einem gewissen Grad kannst du dich dem nicht entziehen, aber man muss nicht jede Veränderung mitmachen.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Nach zwei Kindern wieder in das Berufsleben einzusteigen, noch dazu in eine neue Abteilung, für die ich davor noch nie gearbeitet habe.

 

Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Natürlich, bei Freunden und Bekannten. Es ist auch wichtig, einfach zu erzählen.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Alles, was man nicht gleich aufgibt und durch das man sich durchkämpft, kommt irgendwann im Leben wieder zurück. Und die Anerkennung steigt mit jedem Schwierigkeitsgrad, den man durchlebt.

 


Franz Fuger, 58
Direktor der Fach- und Meisterschule

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Das stimmt. Mein Motto ist aber eher, sich ständig in kleinen Schritten zu ändern, dann hat man nie so einen großen Wandel, der dann vielleicht schmerzt.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Ich kann mich eigentlich an keine erinnern, die nachhaltig Probleme gebracht hätte.

 

Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Man soll und darf sich jederzeit Input von außen holen. Vor allem, wenn man sich bei der eigenen Meinung nicht ganz sicher ist. Das hilft bei Entscheidungen.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Leben ist Veränderung. Ich vergleiche es gern mit Computerprogrammen. Wenn ich Updates hinauszögere und vielleicht zwei, drei auslasse, geht das eine Zeit lang gut. Aber irgendwann muss ich dann alle auf einmal durchführen. Und das fühlt sich dann wie die Arbeit mit einem völlig neuen Programm an. Also: immer am Laufenden bleiben!

 


Anton Tisch, 17
Schulsprecher, 4. Klasse, Gartenbaufachschule

Es heißt, man muss sich verändern, um mit der Zeit zu gehen. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Man lebt mit den Trends und dadurch verändert man sich auch selbst.

 

Welche Veränderung war für Sie die schwierigste?
Größtenteils auf tierische Produkte zu verzichten. Seit einem halben Jahr versuche ich, kein Fleisch mehr zu essen. Das ist nicht immer so leicht.

 

Haben Sie dabei den Rat anderer eingeholt?
Ich habe zwei Schulkolleginnen, die das auch tun. Mit denen tausch’ ich mich oft aus.

 

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?
Dass wir weniger tierische Produkte essen sollten, weil es schlecht für die Umwelt ist. Die Fläche, die wir für die Produktion benötigen, könnten wir viel besser für pflanzliche Lebensmittel nutzen.

 

 

Die Schule:

Die Gartenbauschule Langenlois (NÖ) ist eine öffentliche landwirtschaftliche Berufs- und Fachschule für Gartenbau, Floristik und Gartengestaltung mit 30 Lehrkräften und je nach Ausbildungsphase 150 bis 400 Schülerinnen und Schülern. Nach einer Spezialisierung erfolgt nach drei Schuljahren und einem Praxisjahr der Abschluss als Facharbeiterin oder Facharbeiter. Ebenso kann man eine Lehre sowie eine Lehre mit Matura abschließen oder auf dem zweiten Bildungsweg die Facharbeiterprüfung ablegen.

 

 

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Ein Beitrag aus dem Was jetzt-Magazin, Ausgabe 4.