Schule aktuell

Bildung in Zahlen: Daten und Fakten der Statistik Austria zum Schulwesen

Die Statistik Austria hat die Broschüre „Bildung in Zahlen 2019/20“ veröffentlicht. Die Resultate: Das Bildungsniveau in Österreich steigt. Die „Corona-Matura“ erhöht die Erfolgsquote. Und eine Überalterung des Lehrkörpers droht.

Florian Wörgötter - 20. Mai 2021

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Diese Runde heißt es: Zahlen, bitte! Die Statistik Austria hat ihre Broschüre „Bildung in Zahlen 2019/20“ veröffentlicht. Darin erfahren Sie, dass die „Corona-Matura“ ähnlich erfolgreich war wie jene noch vor der Zentralmatura.

Die Datensammlung „Bildung in Zahlen 2019/20“ liefert einen umfassenden Querschnitt der Bildungssituation in Österreich. Die Statistik Austria analysiert auf den 153 Seiten auch das Schul- und Hochschulwesen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse.

Hohe Erfolgsquote der Matura

Die „Corona-Matura“ im Sommer 2020 hat die Erfolgsquote im Jahresvergleich stark ansteigen lassen – zumindest beim ersten Anlauf. Beim ersten Termin 2020 haben 85,9 Prozent der AHS-Schüler/innen und 90,9 Prozent der BHS-Schüler/innen die Reifeprüfung bestanden. Zum Vergleich: 2019 haben beim ersten Antritt in der AHS 78,8 Prozent und in der BHS 80 Prozent reüssiert. Der Grund dafür liegt laut Statistik Austria an der erstmaligen Einbeziehung der Jahresnote in die Maturanote.

Diese Erfolgsquote schließt an das hohe Niveau vor Einführung der Zentralmatura an (2015 an den AHS, 2016 an den BHS). Die standardisierte Reife- und Diplomprüfung hatten deutlich weniger Schüler/innen beim ersten Antreten positiv absolviert. Allerdings führte die Zentralmatura laut Statistik Austria nur zu mehreren Antrittsversuchen; die gesamte Erfolgsquote sei seit der Einführung lediglich um 2,5 Prozent gesunken. Die vollständigen Daten zu den drei Antrittsterminen im ersten „Corona-Jahrgang“ liegen der Statistik Austria noch nicht vor.

NMS meets Matura

Interessant ist auch ein Blick auf die Vorbildung der Maturantinnen und Maturanten: In den Abschlussklassen der AHS kommen drei Viertel von der AHS-Unterstufe und nur 18 Prozent von der Hauptschule bzw. Neuen Mittelschule. In den BHS-Schulen ist es umgekehrt: Zwei Drittel der BHS-Maturanten/-Maturantinnen wechseln aus einer Hauptschule bzw. Neuen Mittelschule und lediglich ein Drittel aus der AHS-Unterstufe.

Der schon in der Sekundarstufe I erkennbare Trend zu höherer Bildung zeigt sich zu Beginn der Sekundarstufe II noch deutlicher: In der neunten Schulstufe beträgt der Anteil der Schüler/innen an den AHS mittlerweile 28,6 Prozent (1980/81: 20 Prozent). In den BHS (inkl. lehrerbildende höhere Schulen) sind es sogar 35,4 Prozent (1980/81: 19,5 Prozent). Besonders starke Zuwächse verbuchen die technischen gewerblichen, die wirtschaftsberuflichen höheren Lehranstalten und die Bildungsanstalten für Elementar- bzw. Sozialpädagogik.

Nach der Reifeprüfung?

Innerhalb von drei Jahren haben etwa neun von zehn AHS-Maturierenden ein Studium begonnen (Frauen: 87,7 Prozent; Männer: 86,6 Prozent). Im BHS-Bereich studieren hingegen 57,3 Prozent der Frauen und nur 51,4 Prozent der Männer – was mit der schulischen Berufsausbildung begründet wird. Frauen treten also häufiger und – wegen fehlender Wehrpflicht – früher in den Hochschulbereich ein.

Bei den Reife- und Diplomprüfungen liegt die Frauenquote insgesamt bei 57,2 Prozent. An den AHS beträgt der Anteil der Frauen 59,5 Prozent, an berufsbildenden höheren Schulen 54,9 Prozent.

Überalterung des Lehrkörpers

Die Statistik Austria erfasst in „Bildung in Zahlen 2019/20“ auch Daten zum Lehrpersonal. Seit 1990/91 ist die Zahl der Lehrenden um mehr als 10 Prozent auf rund 128.900 Lehrpersonen gestiegen (Stand: 2019/20). Die meisten Lehrer/innen sind analog zur Anzahl der Schüler/innen an Volksschulen und Neuen Mittelschulen (Hauptschulen) im Einsatz.

Die Studie spricht von einer Überalterung des Lehrpersonals in vielen Ländern der OECD und der EU. In Österreich ist der Anteil der Personen im Alter von 50+ im Primar- und Sekundarbereich mit 44 Prozent sogar höher als der EU-Durchschnitt mit 38 Prozent (Quelle: Eurostat 2020).

Studium mit Zukunft: Lehramt

Eine anstehende Pensionierungswelle könnte sich als problematisch erweisen, wenn eine große Zahl an Lehrpersonen den sprunghaft ansteigenden Bedarf decken muss und neues Lehrpersonal eingestellt werden soll. Die Alterspyramide des Lehrpersonals zeigt zwar, dass bereits verhältnismäßig viele junge Lehrkräfte an Volksschulen und Neuen Mittelschulen (Hauptschulen) unterrichten. Ein drohender Lehrer/innenmangel hänge aber stark an der Ausbildungs- und Stellenpolitik von Bund und Ländern und der Entwicklung der Schüler/innenzahlen.

Laut der Hochschulprognose der Statistik Austria wird die Zahl der Maturantinnen und Maturanten (2019/20: 40.543) zwar nur langsam steigen (2040: 41.530). Das Studium mit dem stärksten Anstieg der Abschlüsse sei künftig aber das Lehramtsstudium.

Hier finden Sie die Broschüre „Bildung in Zahlen 2019/20“ zum kostenlosen Download.

 

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