Bildung und Beruf

Cyber-Mobbing: Das können Schulen tun

Das sensible Thema Cyber-Mobbing ist an Österreichs Schulen oftmals ein Tabu, sagt Matthias Jax von der EU-Initiative Saferinternet.at. Lesen Sie hier, was Lehrerinnen und Lehrer dagegen tun können.

Von Manuela Tomic - 10. Oktober 2018

 

Peinliche Bilder, infame Gerüchte: Cybermobbing kann bei Schülerinnen und Schülern schwere seelische Wunden hinterlassen. Das Thema sei prinzipiell nicht neu, sagt Matthias Jax von der EU-Initiative Saferinternet.at: „Mobbing ist, so bedauerlich es ist, leider kein neues Phänomen. Etwas neuer hingegen ist die Verlagerung in den digitalen Raum“.

Plötzlich würden Kinder und Jugendliche nicht mehr im Klassenzimmer, sondern auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen verunglimpft. „Das größte Problem dabei ist, dass die Inhalte, einmal ins Internet gestellt, sehr schwer wieder zu löschen sind“, sagt der Experte. In manchen Fällen bleiben diese für immer im Internet verfügbar und schaden den Betroffenen weiterhin.

Spielerisch reagieren

Da die digitale Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen nicht vor der Schule halt macht, sondern auch in den Unterricht hineinspielt, sei es natürlich auch hier wichtig, auf das Thema zu reagieren, erklärt Jax.

 

„Die Möglichkeit, das Phänomen spielerisch anzugehen, ist ein erster Schritt von vielen.“

 

Schulen können hier vor allem in der Präventionsarbeit entsprechende Aufklärungsarbeit leisten, zum Beispiel in Form von Workshops. Gleichzeitig sollten Lehrerinnen und Lehrer als Vertrauenspersonen benannt werden.

„Die Möglichkeit, das Phänomen spielerisch anzugehen, ist ein erster Schritt von vielen, um in das Thema einzusteigen und auf die realen Konsequenzen aufmerksam zu machen“, sagt Jax.

Wird ein Cyber-Mobbing-Vorfall bekannt, sollte die Schulleitung oder der Klassenvorstand in jedem Fall sofort reagieren und mit den Beteiligten reden, erklärt Jax.

Eltern sensibilisieren

Außerdem sollten Gespräche mit den Eltern stattfinden, sowohl mit den Eltern der Opfer als auch mit den Eltern der Täter. Diese wüssten oft nicht, was Cyber-Mobbing überhaupt ist, sagt Jax. Hier gelte es, die Eltern zu sensibilisieren.

Jeder Fall sollte in der Schule auch genutzt werden, um Aufklärung zu betreiben. Lehrerinnen und Lehrer sollten die Vorfälle auch dokumentieren, um später nachweisen zu können, dass sie entsprechende Maßnahmen gesetzt haben.

Polizei hinzuziehen

Bei schwerwiegenderen Fällen könne auch ein Präventionsbeamter hinzugezogen werden, um einzuschätzen, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden sollen. Der Social-Media-Experte verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Handbuch „Mobbing an Schulen. Ein Leitfaden für die Schulgemeinschaft im Umgang mit Mobbing“.

Eines sollte man jedoch auf keinen Fall machen, sagt Matthias Jax: „Das Thema Cyber-Mobbing in Schulen totschweigen“.

Zur Person

Matthias Jax ist Projektleiter für das EU-Projekt Saferinternet.at. Er ist Social-Media-Experte und Projektmanager mit Spezialisierung in den Bereichen Datenschutz, Online-Sicherheit und Projektleitung mit digitalen Schwerpunkten.

 

 

 

Mehr zum Thema

Kreativ gegen Cyber-Mobbing
Im Gespräch: „Wir sind die Notfallambulanz“
Handy-Verbot im Unterricht: Ja oder nein?

 

Ein Beitrag aus der Was jetzt-Redaktion.