Bildung und Beruf

Kreativ gegen Cyber-Mobbing

Die 19-Jährige Lili Leißer hat ein Cyber-Mobbing-Spiel programmiert. Warum dieses vor allem Lehrerinnen und Lehrer sensibilisieren soll, lesen Sie hier.

Von Manuela Tomic - 26. September 2018

 

Ob Hate-Speech oder das Versenden intimer Fotos an Dritte: Cyber-Mobbing hat viele Gesichter. Die 19-Jährige Lili Leißer kennt diese nur zu gut. Seit über einem Jahr beschäftigt sich die Absolventin der BHAK Wien 10 Favoriten professionell mit dem Thema.

Das Ergebnis: Im Zuge ihrer Schul-Diplomarbeit programmierte und kreierte Leißer ein Spiel, das es möglich macht, Cyber-Mobbing hautnah zu erleben und Handlungsräume auszutesten.

Großer Trugschluss

„Cyber-Mobbing betrifft alle Fächer“, sagt Leißer. „Lehrer sollten sich diesem Thema intensiver annehmen.“ Vor allem 16- bis 18-Jährige seien sehr stark vom Mobbing im Netz betroffen, erklärt Leißer, die seit drei Jahren ehrenamtlich für die europäische Initiative Saferinternet.at arbeitet.

Häufig würden Lehrer annehmen, dass es sich hier um fast erwachsene Schüler handelt, die sehr gut mit dem Thema umgehen können, sagt die Studentin. „Das ist jedoch der größte Trugschluss.“

Partnerschule als Kunde

Durch die vielen Aufklärungsveranstaltungen zu diesem Thema, aber auch die Erfahrungen aus ihrer Umgebung, begann sie sich immer mehr für Cyber-Mobbing zu interessieren.

 

Die 19-Jährige Lili Leißer möchte Lehrer für das Thema Cyber-Mobbing sensibilisieren. Foto: ÖIAT

 

Für eine Klasse der Berufsschule für Verwaltungsberufe in der Embelgasse im fünften Wiener Bezirk kreierte sie das Spiel, speziell auf die Klasse zugeschnitten.

Fiktiver Chat

Im Spiel müssen Schüler per Handy mit einem fiktiven Freund oder einer fiktiven Freundin chatten. Es beginnt zuerst ganz harmlos mit der Frage: „Darf ich deine Hausübung abschreiben?“ Die Schüler haben immer mehrere Antwortmöglichkeiten zur Wahl. Je nachdem, für welche sie sich entscheiden, fällt auch der Ton rauer aus, bis sie in eine negative Chat-Spirale voller Beschimpfungen geraten.

Leißer beruhigt: „Wir haben vier Szenarien, wie das Spiel endet. Und diese sind alle positiv.“ Am Ende des Spiels kann sich der Spieler dann dafür entscheiden, das Thema mit Freunden, Lehrern oder den Eltern zu besprechen.

Entscheidet er sich dagegen, so wird ihm im Spiel dazu geraten, in diesem Fall Vertraute aufzusuchen. Noch befindet sich Leißers Cyber-Mobbing-Game in der Pilotphase.

Thema weiterhin im Fokus

Derzeit wird aber daran gearbeitet, das Spiel auszubauen und für Lehrerinnen und Lehrer auf Saferinternet zugänglich zu machen. Und auch Leißer möchte sich dem Thema weiter annehmen.

„Ich habe drei Jahre lang in der Schule programmieren gelernt und mir den Rest per You-Tube-Tutorials beigebracht“, sagt die HAK-Absolventin. Dieses Wissen möchte sie auch weiterhin nutzen, um Lehrer und Schüler zu diesem Thema aufzuklären.

Jugendarbeit und Jus

In Zukunft wird sie für saferinternet.at als Mitarbeiterin in der Jugendarbeit und Organisation tätig sein. Gerade hat Leißer auch ihr Jus-Studium an der Universität in Wien begonnen.

Als einen Widerspruch sieht sie diese beiden Zweige nicht: „Später möchte ich das Thema Cyber-Mobbing von der rechtlichen und politischen Seite bearbeiten“, sagt Leißer.

Das Programmieren möchte sie aber nicht ganz aufgeben, sagt sie: „Ein bisschen Autodidaktin werde ich wohl immer bleiben.“

 

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Ein Beitrag aus der Was jetzt-Redaktion.