Bildung und Beruf

FAIRTRADE macht Schule

In Zeiten wie diesen wird wieder vermehrt über Globalisierung diskutiert. Grund genug, über fairen Handel zu diskutieren. FAIRTRADE bietet nicht nur das bekannte Lebensmittel-Siegel, sondern auch Bildungsarbeit in den Schulen an.

Von Florian Bayer - 24. April 2020

 

Seit 1993 gibt es FAIRTRADE Österreich, im vollen Namen „Verein zur Förderung des fairen Handels mit den Ländern des Südens“. Das FAIRTRADE-Siegel kennzeichnet Güter, die aus nachweisbar fairem Handel stammen, und ist mittlerweile in allen Supermärkten zu finden.

Weniger bekannt ist, dass FAIRTRADE seit sechs Jahren auch Bildungsarbeit durchführt – etwa in Form von bereitgestellten Unterrichtsmaterialien und Factsheets, aber auch Veranstaltungen, Workshops und Wanderausstellungen. Gerade in Zeiten wie diesen wird wieder viel über Globalisierung und wirtschaftliche Abhängigkeiten diskutiert.

 

Florian Ablöscher, Leiter von FAIRTRADE Schools und HAK-Lehrer

Florian Ablöscher, Leiter von FAIRTRADE Schools und HAK-Lehrer

Wir haben mit Florian Ablöscher, Lehrer für wirtschaftliche Berufe an der Vienna Business School (HAK/HAS) sowie Leiter von FAIRTRADE Schools, über die verschiedenen Vermittlungsangebote gesprochen.

Herr Ablöscher, wie ist die Idee von FAIRTRADE Schools entstanden?

Wir wollten es Lehrkräften so leicht wie möglich machen, das Thema „Fairer Handel“ in der Schule zu behandeln.

Dazu kamen Anfragen von Lehrkräften, die ihre Schule als FAIRTRADE-Schule auszeichnen lassen wollten. In Deutschland und in Großbritannien gab es das schon länger.

Was ist für eine FAIRTRADE-Auszeichnung nötig?

Insgesamt fünf Punkte: Es braucht eine/n Fairtrade-Ansprechpartner/in, idealerweise jemanden sowohl aus der Lehrer- als auch aus der Schülerschaft. Darüber hinaus einen Fairtrade-Aktionsplan, eine Behandlung des Themas in mindestens zwei Schulfächern und zwei Jahrgängen, die Verwendung von Produkten mit Fairtrade-Siegel und zumindest einmal jährlich eine thematisch passende Schulaktion.

Wie viele Schulen machen bisher mit?

Bis jetzt haben wir 62 Schulen in ganz Österreich ausgezeichnet, davon sind etwa die Hälfte berufsbildende mittlere und höhere Schulen. Auch unser Angebot an Workshops und Vorträgen gibt es im ganzen Land, wiewohl wir bis jetzt einen Schwerpunkt vor allem im Raum Wien haben.

 

„In unseren Rollenspielen werden die Mechanismen der Marktwirtschaft sichtbar.“

 

Was können Sie engagierten Lehrenden anbieten?

Zum einen führen wir kostenlose Schulworkshops durch, in denen etwa Rollenspiele durchgeführt werden und der Kakaohandel nachgestellt wird. Im Rollenspiel gibt es etwa eine Gruppe Kleinbauern und eine Gruppe mit Großhändlern. Wenn beide aufeinandertreffen und den Preis verhandeln, werden die Mechanismen der Marktwirtschaft sichtbar.

 

Die Herkunft der Produkte spielt bei FAIRTRADE eine große Rolle. Foto: FAIRTRADE

Die Herkunft der Produkte spielt auch bei den Schulworkshops eine große Rolle. Foto: FAIRTRADE

 

Wir bieten aber auch Wanderausstellungen und weiterführende Unterrichtsmaterialien, etwa zu Arbeitsbedingungen und den gehandelten Rohstoffen wie Kakao, Kaffee und Bananen, an.

Natürlich sind wir durch die Coronakrise gerade sehr eingeschränkt, doch die meisten unserer Inhalte sind auch online verfügbar. Zum Beispiel auch unser Sortimentscheck, der eine Rückmeldung zur Fairness der gehandelten Produkte bietet.

 

„Natürlich sind wir durch die Coronakrise eingeschränkt, aber die meisten unserer Inhalte sind auch online verfügbar.“

 

Für welche Fächer eignet sich das Thema?

Fairer Handel ist absolut interdisziplinär. Oft sind es die wirtschaftlichen Fächer, in denen über fairen Handel gesprochen wird. Doch auch in den naturwissenschaftlichen Fächern und in Religion wird das Thema oft behandelt. Nachhaltigkeit soll ja auch in künftigen Lehrplänen, etwa im Fach Ethik, eine größere Rolle spielen.

Und eignet es sich für alle Altersgruppen gleichermaßen?

Auf der Website bieten wir Unterrichtsinhalte von der Volksschule bis hin zu Oberstufen an. Für die Workshops empfiehlt sich ein Alter ab 14 Jahren, weil es ein komplexes Zusammenspiel verschiedenster Themenbereiche ist.

Nicht zuletzt geht es um Armut, Hunger, Ausbeutung – keine leichten Themen. Darum fokussieren wir in Schulen vor allem auf Lösungen und wie ein gutes Leben für alle möglich sein kann.

 

 

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Ein Beitrag aus der Was jetzt-Redaktion.