Schwerpunkt: Medienkompetenz

Klimawandel: Neues Lehrmaterial zu Fakten gegen Fake News

Die österreichischen Jugendinfos fördern Medienkompetenz mit einer Kampagne zum Klimawandel. Das Lehrmaterial für den Fernunterricht erklärt gängige Mythen, wie man Fake News erkennt und Skeptiker/innen überzeugt.

Florian Wörgötter - 12. November 2020

MEHR_wasjetzt Klimawandel – Illustration: Laura Piñeiro Atienza, Grafik: Christine Pleyl

Die Welt in unseren Händen: Die österreichischen Jugendinfos haben Lehrmaterial zum Klimawandel erstellt. So lernen Jugendliche zwischen Fakten und Fake News zu unterscheiden.

„Es findet keine Erderwärmung statt“, „Im Mittelalter war es wärmer als heute“, „Die Natur setzt viel mehr CO2 frei als der Mensch“. Klimaskeptiker/innen nutzen Behauptungen wie diese, um den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel zu relativieren. Die österreichischen Jugendinfos haben daher mit dem Klimabündnis Österreich eine Aufklärungskampagne gestartet: „Mit Fakten gegen Fake News: Klimawandel“.

„Eine Diskussion zum Klimawandel kann schwierig zu führen sein, insbesondere wenn Fake News verwendet werden, um die Klimakrise zu leugnen“, sagt Alena Brunner, Kommunikationsexpertin bei den Österreichischen Jugendinfos. Daher erklärt die Infobroschüre „Fakten und Tipps für Gespräche über die Klimakrise!“ jungen Menschen anhand von gängigen Behauptungen, wie Fake News mit Fakten entkräftet werden können.

„Lehrkräfte sind mit der wichtigste Multiplikator, um die Medienkompetenz von Jugendlichen zu fördern und sie über die gängigsten Fake News, aber auch über die Fakten zum Klimawandel zu informieren“, erklärt Petra Schön, Geschäftsführerin des Klimabündnis Österreich. Deshalb wurde auch jugendgerechtes Lehrmaterial begleitend zur Broschüre entwickelt, das auch für den Online-Unterricht adaptierbar ist.

Die kompetenzorientierten Übungen eignen sich vor allem für die Umweltbildung und die Medienerziehung beziehungsweise digitale Grundbildung mit Schulklassen der 7. bis 10. Schulstufe. Alle Beispiele sind auch punktuell einsetzbar. Hier eine Zusammenfassung der vier Übungen.

1. Fake News und ich

Die erste Übung besteht aus einem Positionierungsspiel und einem Quiz zum Thema Fake News zum Klimawandel.

Zur Einstimmung beantworten Schüler/innen Entscheidungsfragen wie „Verbreitest du Neuigkeiten ohne nachzudenken?“, „Betrifft dich der Klimawandel?“ oder „Hast du Angst?“. Beim Online-Lernen können Schüler/innen mit Ja oder Nein antworten, indem sie die Kamera mit einem Posting abkleben oder nicht, sie die „Hand heben“-Funktion des Videokonferenztools nutzen oder in Microsoft Teams die Whiteboard-Funktion benützen.

Ein Online-Quiz zeigt Zeitungsberichte, Online-Artikel und Postings zum Thema Klimawandel. Die Schüler/innen entscheiden mit einem Klick (im Unterricht mit Karten), ob es sich um einen „Fakt“ oder „Fake News“ handelt. Nach jedem Punkt wird die Positionierung in der Klasse besprochen. Das Kahoot-Quiz funktioniert kostenlos und ohne Registrierung.

Lernziel der Übungen: Die Schüler/innen lernen spielerisch, Fakten und Fakes voneinander zu unterscheiden, und können ihre eigene Positionen argumentieren.

2. Fake News, Hoaxes und Klimawandel

Die zweite Übung beinhaltet eine Gruppenarbeit zu Internet-Phänomenen und ein weiteres Quiz zum Thema Fake News zum Klimawandel. Die gesamte Übung wird per Videokonferenz abgehalten.

In der Gruppenarbeit widmen sich die Schüler/innen in jeweils vier „Breakout-Räumen“ den Themen „Clickbait“, „Verschwörungstheorien“, „Hoax“ und „Sponsored Content“. 
In Online-Übungen müssen sie Textelemente in die richtige Reihenfolge bringen, sodass ein vollständiger Text über ihr zugeordnetes Internet-Phänomen Thema entsteht. Es schleichen sich auch Fakes unter die Sätze. Danach wird gemeinsam erarbeitet, wie das jeweilige Phänomen zu erkennen ist und welche Erfahrungen schon damit gemacht wurden. Das Ergebnis wird dann der Klasse präsentiert.

Im Quiz „Fakt oder (Internet-)Phänomen?“ müssen die Schüler/innen einzeln oder gemeinsam Texte mit Behauptungen den einzelnen Phänomenen zuordnen. Die Lehrenden vergeben Punkte für richtige Antworten, die Gruppe mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel. Danach wird gemeinsam reflektiert, warum falsche Behauptungen dazu führen, dass Menschen den Klimawandel leugnen.

Lernziele der Übungen: Die Schüler/innen erlernen spielerisch unterschiedliche Arten von Fake News kennen und können Fakten von Verschwörungstheorien, Hoaxes und Sponsored Content unterscheiden. Außerdem üben sie Online-Präsentationen.

3. Faktencheck zum Klimawandel

In einer Recherchearbeit kommt die Broschüre „Mit Fakten gegen Fake News: Klimawandel“ ins Spiel. Einzelne Schüler/innen oder Gruppen bekommen eine Aussage aus dem Infoheft zugeteilt. Zum Beispiel: „Es findet keine Erderwärmung statt“ oder „Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob der Mensch einen Einfluss auf den Klimawandel hat“. Dazu werden ihnen Webseiten mit seriösen Quellen empfohlen, die sie nutzen können, aber nicht müssen. In einer Recherche sollen sie den Wahrheitsgehalt einer Aussage überprüfen.

Die Recherchearbeit kann  im Unterricht simultan in mehren „Breakout-Räumen“ stattfinden oder als Hausübung mit freier Zeiteinteilung. Die Ergebnisse werden in der Gruppe diskutiert und dann via Powerpoint per Videokonferenz präsentiert.

Optional kann eine weitere Aufgabe auch das Thema „Coronakrise vs. Klimakrise“ behandeln: Welche Fake News kursieren rund um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umwelt? Welche Fakten können diese Falschinformationen entkräften?

Lernziele dieser Übung: Die Schüler/innen lernen seriöse und jugendgerechte Recherchequellen zum Thema Klimawandel kennen. Sie üben das Argumentieren auf Basis von Fakten und erklären diese in eigenen Worten.

4. Diskussion „Was ist wirklich dran am Klimawandel?“

Zuletzt wird das erlernte Wissen in einem Rollenspiel angewendet. Einige Schüler/innen schlüpfen in einer Diskussionsrunde à la „Im Zentrum“ in die Rollen von Klimaschützer/innen und Klimawandelleugner/innen. Zunächst bereiten sie sich individuell (oder in Gruppen in Breakout-Räumen) mit Infoheft und Infoblättern auf ihre Rolle vor und lernen die nötigen Argumente und mit welchen Antworten sie Totschlag-Argumente entkräften.

Die Gruppe der Beobachter/innen hingegen soll lernen, einer Diskussion auch unvorbereitet zu folgen. Während der Diskussion bekommen auch sie spezielle Aufgaben, worauf sie achten sollen. Zur Diskussion sind alle Schüler/innen im selben virtuellen „Raum“. Nur das „Podium“ ist nicht stummgeschaltet. Nachdem jede/r Diskutant/in seine/ihre Behauptungen in möglichst eigenen Worten vertreten hat, werden sie und die Beobachter/innen zu einer Reflexion via Powerpoint-Präsentation eingeladen.

Lernziele dieser Übung: Die Schüler/innen lernen ihr neu erworbenes Wissen zu diskutieren und sie reflektieren Argumentationsstrategien, die auch im realen Leben angewandt werden können.

Hier geht’s zum Download der Broschüre „Fakten und Tipps für Gespräche über die Klimakrise!“. Und hier zum Download der Handreichung für Lehrkräfte.

 

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