Bildung und Beruf

Food Waste im Unterricht: So lernen Jugendliche ihr Essen schätzen

BMHS aktuell: Food-Waste-Initiativen wie Zero Waste Austria oder Best of the Rest weisen auf Lebensmittelverschwendung hin. In Workshops, Kochkursen und Quizzes lernen Jugendliche den bewussten Umgang mit Nahrung.

Florian Wörgötter - 30. Juni 2020

Täglich landen Tonnen an Lebensmitteln im Müll – im Handel, in der Gastronomie, in Industrie und Landwirtschaft. Am meisten Lebensmittel verschwenden in der EU aber private Haushalte. Laut einer Studie des EU-Projektes Fusions werden jährlich rund 47 Millionen Tonnen entsorgt – darunter auch angebrochene oder verpackte Speisen. Eine aktuelle Studie zum Thema Food Waste schätzt sogar, dass die weltweite Lebensmittelverschwendung doppelt so hoch sei als bisher angenommen.

Damit auch Jugendliche frühzeitig den Wert von Brot, Obst & Co. erkennen, machen sich Food-Waste-Initiativen auf den Weg in Österreichs Schulen. In Workshops erfahren sie, dass Lebensmittelverschwendung auch hierzulande relevant ist, welche Lösungsansätze es gibt und wie man selbst lernt, Lebensmittel länger haltbar zu lagern. Ein Überblick.

Food Waste: In Workshops an Schulen lernen Jugendliche den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln.

Food Waste: In Workshops an Schulen lernen Jugendliche den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln.

Zero Food Waste

Der gemeinnützige Verein Zero Waste Austria vernetzt Menschen und Unternehmen, die sich für das Vermeiden von Müll einsetzen. In zweistündigen Kochworkshops Zero Food Waste lernen Jugendliche das Zero-Waste-Cooking in Oberstufenschulen.

Zuerst klärt eine Theorieeinheit die wichtigsten Fragen: Welche Möglichkeiten der Lebensmittelrettung gibt es in Österreich? Wie können Supermärkte und Restaurants gegen Lebensmittelverschwendung aktiv werden? Wie sieht es bei den Jugendlichen zu Hause aus?

Danach werden gemeinsam zwei einfache No-Food-Waste-Rezepte gekocht. Für die Zubereitung braucht es keine Küche; eine mobile Kochplatte im Klassenzimmer genügt.

Weitere Schulworkshops von Zero Waste Austria: Der Workshop Zero Waste Teens hinterfragt die Konsumgewohnheiten von Jugendlichen und erklärt, warum Fast Fashion, Mikroplastik in Kosmetik und Elektromüll die Umwelt schädigen. Die Zero Waste Austria Grätzeltour führt durch nachhaltige Wirtschaftsbetriebe in Wiener Bezirken. Märkte, Unverpacktläden und eine plastikfreie Drogerie zeigen, wie alternatives Wirtschaften funktionieren kann.

APPetit Schulstunde

In Niederösterreich landen täglich rund 166 Tonnen Lebensmittelabfälle im Müll. Das entspricht einer Menge von rund 40 Kilogramm pro Kopf im Jahr. Die APPetit-Schulstunde wählt einen spielerischen Zugang, um 14- bis 18-jährige Schüler/innen für den Wert von Lebensmitteln zu sensibilisieren.

Der einstündige Workshop an niederösterreichischen Schulen ist als Castingshow aufgebaut, Schauspieler/innen interagieren mit den Kindern und Quizemelente sollen mehr Akzeptanz erreichen.

Für den zweiten Teil wurde eine Web-App mit einem eigenen Quiz entworfen. Spaß und Wettbewerb soll die Jugendlichen langfristig an das Thema binden.

Das Projekt läuft seit dem Jahr 2015. Dieses Jahr mussten wegen der Schulschließung allerdings einige APP-Schulstunden ausfallen. Daher haben Jugendliche nun auch außerhalb des Klassenzimmers die Chance, am Quiz teilzunehmen und insgesamt rund 3.000 Euro zu gewinnen. Teilnahmeschluss: 31. August 2020.

Best of the Rest

Der Kärntner Verein Best of the Rest macht sich zum Ziel, ein Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung zu schaffen. Schulen und Unternehmen können die Koch-Workshops, Vorträge, Buffets zum Thema „nachhaltiger Lebensstil“ buchen.

Im Mitmach-Koch-Workshop lernen Schüler/innen von der 5. bis zur 13. Schulstufe alles rund um das Thema Nachhaltige Ernährung. In Dialog- und Theaterform lernen die Jugendlichen, wie man richtig lagert, die Qualität von Nahrungsmitteln feststellt oder Reste verwertet. Sie sollen ihr eigenes Handeln reflektieren lernen und welche Auswirkungen es auf ihre Ernährung, Gesundheit, die heimische Wirtschaft und die Umwelt hat. Beim gemeinsamen Kochen erkennen sie die Kostbarkeit von Lebensmitteln und lernen einen sparsamen und achtsamen Umgang.

Seit 2015 gab Leiterin Elke Schlederer-Oberhauser mehr als 170 interaktive Koch-Workshops an Kärntner Schulen.

Lebensmittelabfälle in Tourismusschulen

Dieses Projekt widmet sich der Lebensmittelverschwendung im Hotelfach. Das Institut für Abfallwirtschaft der Universität für Bodenkultur hat mit der Altstoff Recycling Austria (ARA) Lehrmaterialien für österreichische Tourismusschulen entwickelt. Die Inhalte wurden auf die Bedürfnisse der drei Tourismusschulen Semmering, Modul und St. Pölten angepasst.

Kernstück ist ein Impulsfilm mit den Stimmen von Persönlichkeiten aus der Welt der Gastronomie und Hotellerie. Die Praktiker/innen sprechen über ihre persönlichen Strategien zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen und ihren persönlichen Bezug zum Thema. Hier finden Sie ein Arbeitsblatt zum Film und die Lernunterlagen zu den Auswirkungen von Lebensmittelabfällen und Lösungsansätzen, um sie zu vermeiden.

Das Institut für Abfallwirtschaft hat auch im Rahmen des EU-Projekts STREFOWA weitere allgemeine Unterrichtsmaterialien für drei Module entwickelt: Lebensmittelabfälle aus Haushalten, Möglichkeiten zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen und Lebensmittel richtig lagern. Die Ergebnisse des Projektes finden sich unter reducefoodwaste.eu.

 

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