Schwerpunkt: Medienkompetenz

GÖNN’ DIR: Wie das Bildungsministerium die Jugend aufheitern will

Was ist zu erwarten, wenn das BMBWF einen Jugendsprech verwendet, der selbst dem Minister fremd ist? Einiges. Die Plattform „GÖNN’ DIR“ in Kooperation mit PULS 4 soll die Resilienz der Jugend stärken – mit Zeichnen, Tanzen und Yoga.

Florian Wörgötter - 18. März 2021

MEHR_wasjetzt_ GÖNN' DIR ©BMBWF/Puls 4

Die Trend-Phrase „GÖNN’ DIR“ ruft dazu auf, sich selbst etwas Gutes zu tun. Die gleichnamige Kooperation des BMBWF mit PULS 4 will der Jugend etwas Gutes tun – mit kostenlosen Online-Sessions für Hobbys wie Songwriting, Social Media oder Jonglieren.

Wie schon Bildungspsychologin Christiane Spiel im Was jetzt-Interview erklärt hat, trifft das Distance Learning am härtesten die Jugendlichen in der Sekundarstufe II. Gerade sie benötigen den Kontakt zu Gleichaltrigen und Gleichgesinnten, um miteinander die Herausforderungen des Heranwachsens zu teilen. Daher hat das Bildungsministerium gemeinsam mit dem Privat-Fernsehsender PULS 4 die Initiative „GÖNN’ DIR“ ins Leben gerufen.

In interaktiven Online-Sessions sollen Schüler/innen und Lehrlinge zwischen 14 und 19 Jahren Spaß erleben und kreativ sein – beim Zeichnen, Songwriting, Tanzen oder einer Yoga-Session.

Wussten Sie, dass die Worte „GÖNN’ DIR“ populäre Jugendsprache sind? Nein? Auch der Bildungsminister hatte diesbezüglich noch Lernbedarf, wie Heinz Faßmann bei der Pressekonferenz gestanden hat. Diese „neumodische Zeitgeistigkeit“ passe eigentlich so gar nicht zur „professoralen“ Ernsthaftigkeit des Bildungsministeriums. Das Ziel, die Resilienz der Jugend zu stärken, hingegen schon. Und bevor man nichts unternehme, organisiere man lieber Freizeitvergnügen vor dem Computer. Außerdem will das BMBWF dadurch mehr über erfolgreiche digitale Didaktik lernen. Denn Faßmann gesteht offen, dass man darüber noch zu wenig wisse.

Gönn’ dir eine Ablenkung

„GÖNN’ DIR mal was Gutes und tu’, was dir Spaß macht – du hast es verdient!“ – So lautet der Aufruf auf der Webseite von 4GAMECHANGERS, dem juvenilen Start-up-Trend-Brand von PULS 4, wo die Initiative offiziell beheimatet ist. Über 90 professionelle Coaches, Sportler/innen, Fitnesstrainer/innen, Musiker/innen, Künstler/innen und Influencer/innen gestalten die kostenlosen Online-Sessions.

Die Inhalte sollen Jugendlichen einen bewussten Ausgleich zum täglichen Lernen geben. Daher sind die Formate auch interaktiv gestaltet und auf kleine Gruppen von 10, 15 oder 20 Teilnehmern und Teilnehmerinnen beschränkt. In den 45-minütigen Online-Sessions sollen Schüler/innen und Lehrlinge auch ihre Anliegen kommunizieren können, miteinander in Kontakt treten und sich zu ihren Interessen austauschen.

Malen, Filmen, Jonglieren

Die Online-Sessions laufen seit dem 8. März wochentags zwischen 7 und 9 Uhr sowie zwischen 15 und 21 Uhr. Am Samstag werden auch Sessions zwischen 15 und 21 Uhr angeboten. Um kostenlos teilzunehmen, müssen sich die Jugendlichen frühzeitig hier anmelden.

Ein Auszug aus dem aktuellen Programm:

  • Songwriting mit PAENDA! – Songwriting & Musikproduktion
    Donnerstag, 18.3.: 16:30–18:00 Uhr
  • G’sund Zocken – geht doch?! – Life Hacks
    Freitag, 19. 3.: 15:45–16:30 Uhr + Freitag, 26.3.: 17:15–18:00 Uhr
  • Andy Blizzy & Dominik Lebersorger – So funktioniert TikTok!
    Freitag, 19.3.: 17:15–18:00 Uhr
  • Paint and Relax – Entspannen mit Malen
    Freitag, 19.3.: 17:15–18:00 Uhr + Montag, 22.3.: 17:15-18:00 Uhr +Samstag, 27.3.: 17:15–18:00 Uhr
  • Faktencheck für Instagram-Experimente – Phänomen oder Fake?
    Freitag, 19.3.: 17:15–18:00 Uhr + Mittwoch, 24.3.: 19:30–20:15 Uhr
  • SHOOT YOUR SHORT – Online Filmworkshop
    Freitag, 19. 3.: 19:30–21:00 Uhr + Montag, 22. 3.: 19:30–21:00 Uhr + Mittwoch, 24. 3.: 19:30–21:00 Uhr
  • Jonglieren geht über Studieren – Erlerne cool aussehende Ball Tricks
    Freitag, 19. 3.: 19:30–20:15 Uhr + Dienstag, 23.3.: 19:30–20:15 Uhr

Vorläufig soll die Initiative „GÖNN’ DIR“ noch bis Ostern laufen. Eine Verlängerung sei aber nicht ausgeschlossen, sagt PULS 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker.

Kraft für die Schule

Nicht zuletzt erfüllt die Initiative aber auch den Zweck, auf die schulpsychologische Beratung hinzuweisen. Damit Schüler/innen bei Bedarf auch wissen, wie und wo sie sich unkompliziert Unterstützung holen können. Jedoch sei die Initiative viel mehr als eine „Akut-Intervention“, sagt Schulpsychologe Dominik Wittinghofer. Das erweiterte Freizeitangebot soll die Jugendlichen zu Dingen motivieren, die ihnen auch Spaß bringen und in weiterer Folge auch Kraft für alle kommenden Herausforderungen.

„Jeder einzelne kleine Schritt kann eine große positive Auswirkung in dieser Ausnahmesituation darstellen“, sagt Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek im Namen der Bundesschüler/innenvertretung, die auch in die Entwicklung der Initiative „GÖNN‘ DIR“ einbezogen wurde.

 

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