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Zukunft mit Geschichte: Gratis-Workshops für Berufsschulen im HDGÖ

Das Haus der Geschichte Österreich lädt Lehrlinge ins Museum ein. Kulturvermittlerin Eva Meran erklärt beim Rundgang, was die Workshopreihe „Zukunft mit Geschichte!“ über die Historie der Arbeit, Demokratie und Rollenbilder vermittelt.

Florian Wörgötter - 14. Oktober 2021

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„Zukunft mit Geschichte!“: Was Berufsschulen in kostenlosen Workshops über Demokratie, Arbeit und Geschichte lernen können, hat uns Kulturvermittlerin Eva Meran beim Rundgang durch das Haus der Geschichte Österreich erklärt.

Wie hat sich Arbeit in den letzten Jahrzehnten entwickelt? Wie kann am Arbeitsplatz und in einer Demokratie mitbestimmt werden? Woher kommen stereotype Rollenbilder und wie begegnet man ihnen? Fragen wie diese ergründet das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) in seinen Workshops der Reihe „Zukunft mit Geschichte!“ für Berufsschulen und Lehrbetriebe.

Das vor drei Jahren eröffnete Museum an der Wiener Burg widmet sich den letzten 100 Jahren österreichischer Zeitgeschichte. In Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Wien ist nun eine kostenlose Workshopreihe für berufstätige Jugendliche entstanden, die im Oktober startet.

Die Idee hinter „Zukunft mit Geschichte!“: „Unsere Geschichtsvermittlung will das Verständnis wecken, dass selbstverständliche Rechte erst errungen werden mussten. Junge Menschen sollen wissen, woher diese Rechte kommen – und mit kritischem Blick erkennen können, dass sie sich auch wieder ändern können,“ erklärt Eva Meran, verantwortlich für die Bildungsarbeit im hdgö. Ihr Ziel: eine kritische, reflektierte Bildung, die auch veraltete Rollenbilder in den Köpfen aufbricht.

Damit die Workshops auch zum Lehrplan von Fächern wie Politische Bildung, Angewandte Wirtschaftslehre oder Interkulturelle Kompetenz passen, hat das hdgö auch mit dem Zentrum für Politische Bildung der PH Wien kooperiert.

Rollenbilder und Vorurteile

Das hdgö wählt in seiner Workshopreihe „Zukunft mit Geschichte!“ die pädagogische Methode des „Forschenden Lernens“: In einer ersten Kennenlernrunde erklären die Jugendlichen anhand eines Bilderteppichs, wo sie stehen und was sie interessiert. Im Workshop „Rollenbilder, Vorurteile & Vielfalt“ wählen sie Bilder, die Klischees aufgreifen und mitunter brechen, wie zum Beispiel jenes einer Profifußballerin oder eines Mannes mit Kinderwagen, und sprechen über ihre Assoziationen.

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Danach sollen sie in der interaktiven Hauptausstellung „Neue Zeiten: Österreich seit 1918“ selbst herausfinden, verarbeiten und wiedergeben, welche Kämpfe der Gleichberechtigung beispielsweise die Frauenbewegung bis zur Gegenwart führte. „Wir legen die Programme interaktiv an, treten mit den Jugendlichen in Dialog und stellen Bezüge zu ihrer Lebensrealität her“, sagt Meran.

Lehre und Zukunft

Die Hauptausstellung beginnt im kaiserlichen Ambiente. Imperialer Stuck und Baustellen-Elemente symbolisieren den Umbruch von der Monarchie zur noch unbekannten Republik. Eine „Hands-on-Station“ zeigt auf angreifbaren Schildern diverse Reformen des Arbeitsrechts aus der jungen ersten Republik: die gesetzliche Arbeitslosenversicherung (1920), ein bezahlter Urlaubsanspruch für alle Angestellten (1919) oder das vereinheitlichte Kinderarbeitsgesetz (1919). Die Schilder sind auch Teil des Workshops „Arbeit, Lehre & Zukunft“. Dieser erklärt, wie sich der Lehrberuf in den letzten 100 Jahren verändert hat und wie wirtschaftliche und politische Prozesse das Leben und die Arbeit präg(t)en.

Weiteres Anschauungsmaterial liefert die Biografie der 14-jährigen Marie Toth, die im Kaffeehaus für sich noch schlimmere Arbeitsbedingungen vorfand als in der Ziegelfabrik. Oder das 1919 abgeschaffte „Arbeitsbuch“, ein Quasi-Mitteilungsheft für Arbeiter/innen, in dem Arbeitgeber/innen sie – oftmals unter Ausübung von Macht – bewertet hatten. Auch Themen wie wirtschaftlicher Aufschwung, Inflation, Konsum und Gastarbeit werden im Workshop besprochen.

Demokratie und Verantwortung

Ein weiterer Workshop „Erkämpfte Rechte, Mitbestimmung & Verantwortung“ widmet sich der Demokratie, ihren Grundprinzipien und der gesellschaftlichen Verantwortung jeder/s Einzelnen. „Wir vermitteln die einzelnen Schritte zur Diktatur – von der Zensur, dem Demonstrationsverbot bis zur Ausschaltung des Parlaments, dem Verbot aller Parteien und der Todesstrafe“, sagt Meran. „Denn Jugendliche sollen wissen, was Demokratie – aber auch ihre Abwesenheit – bedeutet.“

Auch die Entstehung der eigenen Nation steht zur Debatte. Ein Schriftzug fragt: Was ist eigentlich Österreich? „Wir als Haus der Geschichte verstehen uns nicht als Nationalmuseum. Es geht uns darum, zu zeigen, dass Nation etwas Erfundenes ist. Dass Grenzen zu einem gewissen Zeitpunkt gezogen wurden und auch ganz anders verlaufen könnten“, meint Meran. „Auch dass es das österreichische Volk so nicht gibt, sondern diese Erzählung mit Symbolen unterfüttert wurde. Seine Identität wurde über die Jahre entwickelt und bewusst konstruiert.“

Wer oder was ist Österreich?

Im zweiten Raum, der auch optisch der Gegenwart angepasst ist, finden sich zahlreiche Symbole einer möglichen österreichischen Identität in Dekaden gegliedert: ein vollgeklebtes Cordoba-Stickeralbum, der Skihelm von Hermann Maier, das Songcontest-Kleid von Conchita Wurst oder die Ortstafel von Fucking; ebenso der ORF-Wurlitzer, ein Video von Qualtingers „Herrn Karl“, aber auch der originale USB-Stick, auf dem das „Ibiza-Video“ seinen Weg zu Journalisten und Journalistinnen gefunden hat. Über allem streckt sich der Kopf des hölzernen Waldheim-Pferdes von Alfred Hrdlicka.

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Wichtig sei zu verstehen, dass auch „Geschichtsschreibung gemacht ist und es von der Position abhängt, von der man auf etwas schaut, was man sieht und was man erzählt“, sagt Meran. „Wir versuchen bewusst, im Museum Stimmen hörbar und sichtbar zu machen, die man weniger mit dem Kanon der österreichischen Geschichte verbindet. Wir wollen die wesentlichen Entwicklungen und Ereignisse erzählen und mit bisher marginalisierten Blickwinkeln ergänzen, um diese dem Publikum zu öffnen und in die Geschichtsschreibung hereinzuholen.“

Wer schreibt Geschichte mit Zukunft?

Wie das Haus der Geschichte mit dieser Deutungshoheit umgeht? „Die Inhalte des Museums sind von unseren unabhängigen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern erarbeitet. Wir vertreten die Position, möglichst viele Gruppen und Menschen, die in Österreich leben, repräsentieren zu wollen – und nicht nur die Geschichte der berühmten, weißen Männer und ihrer Erfindungen zu erzählen“, sagt Meran. „Natürlich stellen wir auch diese Position, die wir beziehen, zur Diskussion. Gerade wenn es heikel wird, zeigen wir die verschiedenen Perspektiven und erklären, warum wir uns für diese eine entschieden haben. Denn Geschichte zu schreiben bedeutet auch, sich für eine Perspektive zu entscheiden.“

 

Im aktuellen WissenPlus finden Sie auch Unterrichtsmaterial des hdgö zum Thema Lehre in den 1960er-Jahren.

Hier finden Sie einen Überblick über weitere Lehrmaterialien und Themenworkshops des Haus der Geschichte Österreich.

 

 

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