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Inside MANZ: Lektorin Petra Salzer

Die 32-jährige Lektorin über ihren Werdegang, den Reiz des Rechnungswesens – und was Lehrbücher und frisch servierte Gerichte gemeinsam haben können. Ein Selbstporträt.

Aufgezeichnet von Stefan Schlögl, Foto: Christopher Mavric - 27. Februar 2018

„Ich kann einfach nicht ruhig sitzen bleiben, muss immer etwas zu tun haben.“

Es gab eine Zeit, da habe ich Rechnungswesen wirklich gehasst. Damals war ich Schülerin an der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Zwettl. Mit Buchhaltung konnte ich nur wenig anfangen und wollte am liebsten nie wieder etwas damit zu tun haben. Dass ich jetzt ausgerechnet Lehrbücher für Rechnungswesen lektoriere, ist für mich dennoch kein Widerspruch. Je länger ich mich damit beschäftigte, umso transparenter und logischer erschien mir diese Welt. Man könnte sagen: Ich habe mich mit Rechnungswesen ausgesöhnt.

Seit neun Jahren arbeite ich jetzt für MANZ. Anfangs war das ein Studentenjob, neben dem Germanistik-Studium lektorierte ich als freie Mitarbeiterin die Übungen im SbX. Davor hatte ich als Kellnerin und in einer Videothek gearbeitet.

In einen richtigen Verlag hineinzuschnuppern war für mich als angehende Germanistin schon etwas Besonders. Dass es ausgerechnet um Rechnungswesen ging, störte mich nicht, im Gegenteil: Ich konnte mich gut in die Schüler hineinversetzen, die Rechnungswesen nicht als Lieblingsfach haben, und wollte es für sie besser machen.

„Die sieht sich eine Arbeit“

Mittlerweile hat sich mein Aufgabengebiet vergrößert: Ich achte darauf, dass die Texte für Schüler verständlich sind, muss Grafiken übersichtlich gestalten und Zusatzangebote wie die Belegkiste betreuen.

Ich komme ursprünglich aus einem Dorf im Waldviertel, ganz in der Nähe von Zwettl. Dort sagen die Menschen über eine, die immer am Werken ist: „Die sieht sich eine Arbeit.“ Das charakterisiert mich ziemlich gut. Ich kann einfach nicht ruhig sitzen bleiben, muss immer etwas zu tun haben.

Gut möglich, dass ich das von meiner Mutter habe, sie hat sechs Kinder großgezogen und war an der Schule bei uns im Ort gewissermaßen das Mädchen für alles. Schulwartin, Reinigungskraft, gute Seele. Mittlerweile ist sie in Pension, genauso wie mein Vater, ein ehemaliger Mechaniker.

 

„Die Inhalte sollen einfach jünger werden,
dazu gehört auch,
die Schüler mit ‚Du’ anzusprechen.“

 

Die Schule ist mir meistens leicht gefallen. In der Hauptschule war ich sogar als Streberin bekannt, an der HLW in Zwettl habe ich nach Anfangsschwierigkeiten auch gute Noten geschrieben. Deutsch war mein absolutes Lieblingsfach. Grundsätzlich gefällt mir an der HLW, vor allem im Nachhinein betrachtet, die Praxisnähe des Unterrichts.

Vieles, was ich damals gelernt habe, kann ich heute noch brauchen. Im Koch-Unterricht etwa musste ich exakte Ablaufpläne erstellen, damit die Speisen alle frisch und pünktlich auf den Tisch kommen. Dieses Zeitmanagement kann ich jetzt bei meiner Arbeit als Lektorin einsetzen, vor allem wenn es darum geht, aufwändige Projekte zu koordinieren.

Übersiedlung nach Wien

Nach der Matura zog ich nach Wien und arbeitete als Sekretärin. Meine Eltern wollten, dass ich einen sicheren Beruf habe – dass ich nach zwei Jahren gekündigt und mit dem Germanistik-Studium begonnen habe, war für meine Mutter anfangs nicht ganz leicht.

Als ich nach dem Abschluss bei MANZ eine Vollzeitstelle bekam, reichte das Geld endlich, um auch etwas von der Welt zu sehen. Gemeinsam mit meinem Freund war ich in Kuba, Sansibar, Thailand und Jamaika. Immer Low Budget als Rucksacktouristen. Vor zwei Jahren jedoch legten wir eine Pause ein. Der Grund dafür war ein spezieller, die Geburt unseres Sohns Theodor.

Neue Rechnungswesen-Bücher

Seit einigen Monaten bin ich wieder aus der Karenz zurück. Gerade arbeite ich mit einer Kollegin und einem Kollegen an der Neugestaltung der Rechnungswesen-Bücher. Ungefähr alle vier Jahre werden die Titel optisch und inhaltlich von Grund auf überarbeitet, Änderungen der Lehrpläne und der Steuergesetzgebung erfordern zusätzliche Überarbeitungen.

Insgesamt sollen die Übungsbeispiele und Inhalte einfach jünger werden, dazu gehört auch, dass die Schüler mit „Du“ angesprochen werden. Das alles ist natürlich ein aufwändiger Prozess, bei dem vor allem unsere Autorinnen und Autoren gefordert sind – alles Lehrer oder Direktoren, die das neben ihrem Hauptberuf machen. Dass die sich in ihrer Freizeit hinsetzen, um an Schulbüchern zu schreiben – diesen Einsatz bewundere ich wirklich sehr.

Ein Artikel aus dem Was jetzt-Magazin, Ausgabe 1/2018

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