Bildung und Beruf

Karriere nach der Matura: Du lernst, was du willst

Es muss nicht immer der gerade Weg nach dem Abschluss sein. Manche Absolventen von berufsbildenden Schulen mussten erst von ihrem Job entdeckt werden. Hier einige spannende Porträts.

Von Florian Wörgötter und Peter Rigaud (Fotos) - 18. April 2018

 

 

Die lebhafte Darstellerin: „Durchatmen“
Die Schauspielerin Viktoria Hillisch steht auf der Theaterbühne und erweckt Figuren zum Leben.

Die Niederösterreicherin Viktoria Hillisch entscheidet sich nach der Hauptschule für die HBLA Mödling (HLP). Dort lernt sie, wie ein Produkt entworfen, vermarktet und präsentiert wird.

Als sie beschließt, Schauspielerin zu werden, münzt sie all das auf sich selbst um. In der Musicalschule lernt sie noch das Singen und Tanzen; in der Schauspielschule lernt sie Körper, Geist und Stimme in einer Rolle zu vereinen. Heute steht sie auf der Theaterbühne und erzählt Geschichten für die Großen und Kleinen.

Survival-Tipp: Organisiere dich selbst!

 

 

Der weltoffene Gastfreund: „Verlasse das Nest“
Der Hotelkaufmann Vedad Bakovic sorgte in einem Londoner Luxushotel dafür, dass Madonna, Lady Gaga und Beyoncé ein warmes Bett bekommen.

Der gebürtige Bosnier Vedad Bakovic geht als Teenager in die HLW Krieglach, weil er einmal international arbeiten möchte. Sprachen und Wirtschaft helfen ihm dabei, Menschen und Kulturen kennenzulernen.

Im Wiener Hotel Imperial steigt er vom Rezeptionisten zum Verkaufsdirektor auf. Er zieht für zwei Jahre nach London, wo er sich im Hotel Le Méridien für den Musikfernsehsender MTV um große Stars kümmert. Heute lebt er in Wien und leitet im Hotel Imperial sein eigenes Team, das wie eine Familie für ihn ist.

Survival-Tipp: Immer positiv bleiben!

 

 

Die weit gereiste Obstbauerin: „Reinbeißen“
Die Buchhalterin Kathrin Haas bereist auf einem Kreuzfahrtschiff die sieben Weltmeere – und pflückt daheim steirische Äpfel.

Die Steirerin Kathrin Haas besucht die HLW Feldbach, weil sie im Tourismus arbeiten will. In der Schule lernt sie früh, dass die Welt groß ist. Daher geht sie für sechs Jahre auf ein Kreuzfahrtschiff, um jeden Tag in einem anderen Land aufzuwachen. Bald arbeitet sie sich von der Kellnerin zur Chef-Buchhalterin hoch. Sie ist verantwortlich für die Crew und das Geld.

Ihr Herzenswunsch aber ist es, in den von der Familie gemeinsam geführten Obstbau einzusteigen. Heute macht sie dort alles – vom Marketing bis zum Äpfelpflücken.

Survival-Tipp: Verfolge deine Ziele!

 

 

Der surfende Erfinder: „Probiere alles aus“
Der Maschinenbauer Wolfgang Fallmann lernt Selbstständigkeit mithilfe eines Kamera-Stativs, danach steigt er in die Welt der Krypto-Währungen ein.

Der in Kärnten aufgewachsene Wolfgang Fallmann gesteht: Er war ein fauler Schüler. Daher besucht er die Fachschule für Elektrotechnik, weil dort die Werkstatt wichtiger ist als Mathematik. Dennoch: Er studiert Maschinenbau in Wien.

Plötzlich packt ihn das Lernfieber und er schreibt in Mathematik beste Noten. Weil ihn die verwackelten Videos vom Wakeboarden stören, entwickelt er ein Stativ, das die Kamera stabilisiert. Der Beginn seines eigenen Start-ups namens „Stabylizr“. Heute ist  Fallmann Geschäftsführer eines Unternehmens, das sich auf Krypto-Währungen und Blockchain-Technologien spezialisiert hat.

Survival-Tipp: Fordere mehr Praxis im Unterricht!

 

 

Der Mann aus Stahl: „Glaube ans Große“
Der Stahlbau-Unternehmer Matthias Unger errichtet die Werkhallen, in denen BMW, Mercedes und Audi ihre Autos bauen.

Der Burgenländer Matthias Unger geht als Teenager in die HTL Pinkafeld, weil ihm Technik und Zahlen liegen. Nach der Matura will er raus aus dem goldenen Käfig und perfektioniert sein Englisch zwei Jahre lang in den USA.

Nach diversen Gelegenheitsjobs studiert er BWL an der FH Joanneum. Während eines Praktikums bei Magna International in Toronto wird ihm klar, dass er sein Wissen in den Familienbetrieb Unger Steel Group einbringen will. Seither gewinnt er die Kunden, für die seine Firma Werkhallen aus Stahl baut.

Survival-Tipp: Lerne nach Verständnis!

 

Ein Beitrag aus dem Was jetzt-Magazin, Ausgabe 1/18