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Matura 2021: So soll die Schule nach Ostern weiterlaufen

BMHS aktuell: Bildungsminister Faßmann hat seinen Plan für den Schulbetrieb nach Ostern veröffentlicht. Unser Überblick über die wichtigsten Änderungen der Matura 2021, die Reaktionen der Parteien und das Konzept von Matura Futura.

Florian Wörgötter - 18. März 2021

MEHR_wasjetzt_ Matura 2021

Dabeisein oder nicht Dabeisein – das ist hier die Frage. Die mündliche Matura ist auch im zweiten Jahr unter Covid-19 freiwillig. Welche Neuerungen Bildungsminister Heinz Faßmann noch für die Matura 2021 vorsieht, fassen wir hier für Sie zusammen.

Im bisherigen Schuljahr waren Schüler/innen der Oberstufe genauso viele Tage im Distance Learning wie im Klassenzimmer. Bildungsminister Heinz Faßmann hat am 12. März bekanntgegeben, wie der Schulbetrieb nach den Osterferien geregelt werden soll. Darunter fallen auch wichtige Änderungen für die 40.000 Maturantinnen und Maturanten. Schauen wir uns den adaptierten Modus der Matura 2021 im Detail an.

Mündliche Matura freiwillig

Wie auch schon im Vorjahr entscheiden die Maturantinnen und Maturanten freiwillig, ob sie zu einer mündlichen Abschlussprüfung antreten oder sich mit der Jahresnote zufriedengeben. Sie haben auch die Möglichkeit, nur in einem Fach, in zwei oder in allen gewählten Fächern mündlich zu maturieren.

Der Matura-Stoff darf um maximal ein Drittel der ursprünglichen Themenbereiche reduziert werden. Der Antritt zur mündlichen Matura wird im Zeugnis vermerkt.

Auch die Präsentation und die Diskussion der vorwissenschaftlichen Arbeiten, Diplomarbeiten oder Abschlussarbeiten finden heuer nur freiwillig statt – wahlweise am Schulstandort oder im virtuellen Raum.

Schriftliche Matura ab 20. Mai

Die schriftliche Abschlussprüfung wird plangemäß abgehalten, startet jedoch erst am 20. Mai. Sie besteht aus drei verpflichtenden Klausuren in Deutsch, Mathematik und einer Sprache; die vierte Klausur ist optional.

Die Jahresnote wird wie auch im Vorjahr zur Festlegung der schriftlichen und mündlichen Gesamtnote einbezogen. Allerdings müssen dafür schriftlich auch 30 % der Punktezahl erreicht werden, damit keine Maturantinnen und Maturanten mehr ein leeres Blatt abgeben wie teilweise im Vorjahr geschehen. Auch dieses Jahr wird die maximale Prüfungsdauer um 60 Minuten verlängert.

Ebenso stattfinden werden grafische Klausurprüfungen, fachpraktische Klausurprüfungen und die Vorprüfungen an Höheren Lehranstalten für Tourismus und Höheren Lehranstalten für Soziales und Wirtschaft. Und: Die schriftliche AHS-Mathematik-Matura soll reformiert werden. Weitere Details hier.

Vorbereitung zur Matura 2021

Zur Matura-Vorbereitung können je Abschlussklasse zwei zusätzliche Wochenstunden für Förderunterricht in Anspruch genommen werden. Zwischen Schuljahresende und Beginn der Prüfungszeit gibt es außerdem Ergänzungsunterricht in den gewählten Gegenständen.

Für das leichtere Lernen hat das Bildungsministerium einen Pool an Übungsaufgaben mit Erklärvideos vorgestellt: Speziell zur Vorbereitung in Mathematik dient die Webseite Mathago. Auch die rund 3.000 Videos im Aufgabenpool sollen die schriftlichen Lösungen mit professionellen Erklärungen ergänzen. Dort sind nun auch frühere Reifeprüfungen in Mathematik, angewandter Mathematik und lebenden Fremdsprachen als Einzelaufgaben zu finden.

Außerdem hat das „Mathematik macht Freu(n)de“-Team der Universität Wien 18 Capstone-Videos zu den grundlegendsten Begriffen in Mathematik vorbereitet.

Schularbeiten in allen Schulstufen

Auch im Sommersemester findet pro Fach nur eine einzige Schularbeit statt. Die dreistündigen Schularbeiten in der 8. Klasse werden zur Vorbereitung auf die schriftliche Reifeprüfung beibehalten.

Bei negativen Leistungsbeurteilungen in einzelnen Fächern soll auch in diesem Schuljahr wieder ein Klassenaufstieg möglich sein – vorausgesetzt, das betroffene Schulfach wurde im Vorjahr positiv beurteilt. Bei zwei oder mehr Nicht genügend entscheidet die Klassenkonferenz über einen Klassenaufstieg. Die gesetzlich zulässige Höchstdauer des Schulbesuchs wurde um ein Jahr verlängert.

Was sagen die Parteien?

Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek von der ÖVP-nahen Schülerunion spricht von einem „fairen Kompromiss“: Jene Schüler/innen, die von 108 Tagen Distance Learning besonders belastet sind oder sich mit der Jahresnote im Maturazeugnis zufriedengeben, könnten die mündliche Matura abwählen. Jene, die ihre Leistung verbessern wollen, bekämen auch die Chance dazu.

Sibylle Hamann, Bildungssprecherin der Grünen, nennt die Regelung zur Matura 2021 „eine faire Lösung unter unfairen Umständen“. Die Freiwilligkeit der mündlichen Prüfungen nehme viel Stress von den Schultern der Jugendlichen.

SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid begrüßt den Plan, die mündliche Matura heuer freiwillig zu gestalten: „Es ist der richtige Schritt, den man aber längst hätte vorstellen sollen.“

Der freiheitliche Bildungssprecher Hermann Brückl kritisiert, dass der Entfall der mündlichen Matura 2021 einen weiteren „Corona-Jahrgang“ schaffe, der auf Jobsuche anders bewertet werden würde. Sein Vorschlag: eine dezentralisierte „Matura alt“ mit autonomen Prüfungsterminen und -inhalten.

Die NEOS hätten sich früher Klarheit gewünscht, sagt Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre, die getroffene Entscheidung sei aber richtig.

Was fordert Matura Futura?

Die Plattform „Matura Futura“ forderte schon im Vorfeld eine sofortige Matura-Reform als Reaktion auf die Corona-Krise. Im Kern besteht diese darin, dass die schriftliche Matura für immer entfallen soll, da der gesamte Schulstoff bereits durch die Jahreszeugnisse umfassend beurteilt worden ist. Stattdessen sollen alle Schüler/innen ihre Schreibkompetenz in einer vorwissenschaftlichen Arbeit zum Ausdruck bringen – zu einem Thema, das sie auch interessiert.

Die zweite Säule der Matura bildet eine mündliche Abschlussprüfung in nur zwei frei wählbaren Fächern, die entsprechend ihren Interessen auch ihre Talente zur Geltung bringen sollen.

Die Wissenschafter/innen hinter „Matura Futura“ sehen in der Reform das Ziel, die Schüler/innen in ihren Begabungen zu stärken. Wichtige Skills wie Selbstorganisation und Präsentationstechniken würden die Jugend auch besser auf Beruf und Studium vorbereiten.

 

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