Bildung und Beruf

#YOVO2020: Besuch der Online-Messe für Young Volunteers

Studium und Beruf: Klimaschutz, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit auf der Online-Messe für Young Volunteers. In Vorträgen, Interviews und Chats zeigen NGOs ihren Alltag. Zeit für einen virtuellen Besuch.

Florian Wörgötter - 19. Juni 2020

Wer sich freiwillig engagieren möchte, um seinen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, für den ist die #YOVO2020 die geeignete Partnerbörse. Auf der ersten Online-Messe für Young Volunteers präsentieren sich NGOs und Initiativen einem jungen, virtuellen Publikum. Das Ziel: eine ehrenamtliche Zusammenarbeit.

Ursprünglich hätte die 16. Freiwilligen-Messe den Arkadenhof der Hauptuniversität Wien füllen sollen. Doch wegen der Corona-Maßnahmen haben sich die Veranstalter/innen auf ein digitales Experiment eingelassen. Von 16. bis 18. Juni haben Organisationen ihre virtuellen Messestände auf einer Webseite aufgestellt: Sie veröffentlichen Videobotschaften, geben Videointerviews und laden Besucher/innen zum Chat ein. Zeit für einen Besuch.

Freiwillige vor!

Nach einer kostenlosen Anmeldung mit einer E-Mail-Adresse werfen wir uns ins virtuelle Getümmel. Natürlich startet jede gute Messe mit einer standesgemäßen Eröffnung. Im Falle einer Online-Messe wird über ein Video „ang’zapft“:

Veranstalter Michael Walk begrüßt das virtuelle Messepublikum aus dem Parlament und erklärt sein Ziel: „In Österreich engagieren sich fast vier Millionen Menschen freiwillig. Unsere Messe für Young Volunteers will diese Zahl mit qualitätsvoller Information und unverbindlichen Gesprächen erhöhen.“

Das zweite Wort hat Bundesministerin Elisabeth Köstinger, auch zuständig für das Ehrenamt und den Zivildienst: „Gerade die Ausbreitung des Coronavirus hat gezeigt, wie unverzichtbar Freiwillige für unsere Gesellschaft sind.“

Auch Sozialminister Rudi Anschober, heute ungewohnt casual in Rollkragen und Jeans, meint zur Kamera: „Es braucht gerade jetzt junge Menschen, um die großen Herausforderungen solidarisch zu bewältigen: Katastrophenschutz, Flüchtlingsbetreuung, Altenpflege und Menschenrechtsverletzungen.“

Human Rights Wednesday

Das dreitägige Messeprogramm gliedert sich nach Schwerpunkten: Am „Social Tuesday“ geht’s um soziale Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung und gerechte Bildungschancen. Am „Human Rights Wednesday“ stehen Menschenrechte, Demokratie und Zivilcourage auf der Tagesordnung. Und der „Global Thursday“ endet mit Katastrophenhilfe, Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit.

Die virtuellen Messestände werben online mit ihren bunten Logos: Bekannte Namen wie Amnesty International, Volkshilfe.Wien, Rotes Kreuz oder youngCaritas Wien buhlen um ehrenamtlichen Nachwuchs, der sie bei ihren Aktionen unterstützen soll.

DJs in Aktion

Ein namenloses Logo mit einer Biene vor zwei Plattenspielern erweckt meine Neugier. Ein Klick bringt mich auf die Profilseite des gemeinnützigen Vereins Firefly Club. Noch bevor ich eines der Vorstellungsvideos starten kann, poppt ein Chat-Fenster mit einer Einladung auf: Ob man mich informieren darf? Klar!

Die Antwort: „Wir sind ein DJ Kollektiv für Menschen mit Behinderung, organisieren Workshops und begleiten die DJs zu Auftritten“. Spannend. „Hast du Interesse an einer Mitarbeit?“ Ich gebe mich als Journalist zu erkennen und frage, was eine Freiwilligenmesse für den Firefly Club bedeutet?

Man könne sich hier präsentieren, um Unterstützung zu finden. Bis jetzt sei die Nachfrage aber überschaubar. Interesse und Neugierde seien vorhanden, aber der Schritt zum Commitment fehle. Immerhin müsse man aber keinen Stand mehr aufbauen – wie noch auf der „analogen“ Messe im Wiener Rathaus im Oktober.

Alltag in der Zivilgesellschaft

Schauen wir zurück zum Tagesprogramm auf die Startseite. Im Rahmenprogramm sind neue Interviews und Vorträge freigeschaltet. Ein Vorteil: Die Videos der Experten und Expertinnen sind noch bis zum Ende der Messe online verfügbar. Danach können sie gegen Bezahlung downgeloadet werden.

In einem der Videointerviews erzählt Bildungsjournalistin und Autorin Melisa Erkurt von ihren Erfahrungen als AHS-Lehrerin und ihren Workshops an „Brennpunktschulen“. Sie meint, dass auch Lehrer/innen Stereotype in sich tragen, die sie in einer verpflichtenden Supervision hinterfragen sollten. Dass mehr Diversität im Lehrkörper helfen kann, sozial benachteiligte Schüler/innen besser zu verstehen. Und dass angehende Lernhelfer/innen diese nicht auf ihre Herkunft reduzieren sollen.

Einen Kanal weiter hält Martin Schenk von der Diakonie einen Vortrag über Gerechtigkeit. Der Sozialexperte erklärt mit einer Blume in der Hand, wer die Leistungsträger/innen in der Krise waren, wie sie mit freiwilliger Arbeit anderen Menschen helfen und dass Gerechtigkeit erst dann funktioniert, wenn jedes Blatt der Blüte berücksichtigt wird.

Messe für Young Volunteers: Ja, ich will!

Messechef Michael Walk zieht nach den ersten zwei Tagen ein positives Zwischenfazit: „Obwohl die Messe für Young Volunteers 2020 online ein absolutes Novum für alle Beteiligten ist, bin ich über die Anzahl der Besucher/innen sehr erfreut. Es ist gerade Prüfungszeit, die Studierenden sind coronabedingt digital überfüttert und trotzdem haben schon mehr als 1000 Studierende das Angebot der Messe genützt.“

Unser Resümee der Online-Messe für Young Volunteers: Die Messe zeigt einen kompakten Überblick auf die Zivilgesellschaft des Landes, ihre Organisationen und Initiativen. Wer sich freiwillig engagieren möchte, kommt hier am bunten Buffet mit Sicherheit auf seinen Geschmack. Die Informationen über die Organisationen und ihre Anforderungen sind gut und klar aufbereitet; Interviews und Vorträge sind knackig portioniert und aufschlussreich.

Einzig das Chatten kommt schwerer in die Gänge als ein lockerer Plausch am Messestand. Netzwerken funktioniert eben am sozialsten, wenn sich zwei Menschen gegenüberstehen. Wie auch im echten Engagement profitiert eine Messe vom direkten Kontakt zwischen den Menschen. Doch dafür sind am Ende des Tages die Beine weniger erschöpft.

 

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