Schwerpunkt: Medienkompetenz

MISCHA: Das neue Digitalpaket für Medienkompetenz

„Zeitung in der Schule“ positioniert sich neu – mit der Marke MISCHA und einem Digitalpaket für Medienkompetenz. Geschäftsführerin Nadja Vaskovich erklärt im Interview, was Jugendliche über digitale Medienbildung wissen sollten.

Florian Wörgötter - 15. Oktober 2020

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Zwischen Druckerschwärze und Digitalisierung: MISCHA-Geschäftsführerin Nadja Vaskovich erklärt, wie Medienkompetenz heute in die Schule kommen sollte.

Seit über 25 Jahren bringt das Projekt Zeitung in der Schule österreichische Printmedien in den Unterricht. Das Ziel: mit journalistischen Texten die Lese- und Medienkompetenz der Schüler/innen zu stärken. Nun soll ein Relaunch die Marke auf den aktuellen Digitalisierungsschub einstimmen. Der Verein MISCHA – Medien in Schule und Ausbildung – startet mit einer neuen Webseite und einem Digitalpaket für Medienkompetenz.

In Kooperation mit der Österreichischen Presseagentur (APA) werden 40 tagesaktuelle ePapers zum kostenlosen Download angeboten. Die Redaktion von MISCHA ergänzt sie mit Übungsaufgaben für den Unterricht. Auch die Fortbildungen für Lehrkräfte finden nun in Online-Webinaren statt. Ebenso lernen Schüler/innen in Webinaren, wie sie ein Medienformat entwickeln oder Fake News erkennen.

Zur Taufe von MISCHA erklärt Geschäftsführerin Nadja Vaskovich, wie Zeitungen und Magazine die Jugend in Zeiten von Social Media erreichen können und was die Digitalisierung für die Bildung von Medienkompetenz bedeutet.

Was jetzt: Welche Rolle spielen gedruckte Zeitungen/Magazine heute im Unterricht?

Nadja Vaskovich: Zeitungen und Magazininhalte spielen seit vielen Jahren eine wichtige Rolle im Unterricht, da diese von Pädagoginnen und Pädagogen gerne eingesetzt werden. Mit gutem Grund, denn der Einsatz von Zeitungen im Unterricht ermöglicht einerseits, aktuelle Themen einzubinden und damit bei Schülerinnen und Schülern das Interesse an aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen zu wecken.

Lehrer/innen, die an unserem Programm teilgenommen haben, sagen, dass damit das kritische Denken und die Diskursfähigkeit ihrer Schüler/innen gefördert wurde, aber auch das Verständnis für die demokratiepolitische Funktion von Medien bzw. ein kritischer Umgang mit Medien geschaffen wurde.

Der Einsatz von Zeitungen im Unterricht ist also ein wesentlicher Hebel, wenn es um die Stärkung der Medienkompetenz geht. Wir sehen aber auch, dass das Arbeiten mit Zeitungs- und Magazintexten die Lesemotivation stärkt und damit auch grundlegend die Lesekompetenz gefördert wird.

Laut dem Reuters Digital News Report konsumieren zwei von drei 18- bis 24-Jährigen die Nachrichten über Social Media – 35 % auf YouTube, 31 % auf Facebook, 27 % auf Instagram. Was bedeutet das für die Ausbildung einer geeigneten Nachrichtenkompetenz?

Es geht darum, die unterschiedlichen Funktionen von Medienangeboten zu erkennen und zu differenzieren. Social Media-Angebote sind zunächst starke Kommunikations-Netzwerke für Familie und Freunde. Natürlich hat sich dies längst ausgeweitet – viele Bereiche der Unterhaltung und Information haben sich dorthin verlagert.

„Nachrichtenkompetenz bedeutet, dass Jugendliche den Absender einer Nachricht hinterfragen lernen und vertrauenswürdige Quellen erkennen können.“

Das birgt aber auch die Gefahr für Fake News und die Verbreitung von Gerüchten. Nachrichtenkompetenz ist also auch ganz wesentlich davon bestimmt, dass Jugendliche lernen, kritisch zu hinterfragen, wer der Absender einer Nachricht ist, bzw. unterscheiden können zwischen vertrauenswürdigen Nachrichtenquellen und solchen, die es nicht sind.

Stichwort Lügenpresse: Wie können Zeitungen/Magazine das Vertrauen der Jugend gewinnen?

Entgegen landläufiger Meinungen genießen Zeitungen und Magazine auch bei Jugendlichen verhältnismäßig hohe Vertrauenswerte, wenn es zum Beispiel um verlässliche Berichterstattung geht.

Aber natürlich müssen Redaktionen jeden Tag unter Beweis stellen, dass Journalismus eine Profession ist – es geht einerseits um das klassische Handwerk am Beispiel „Check, Re-Check, Double-Check“, aber auch um die Einhaltung ethischer Standards im Journalismus.

Der Austausch mit der Praxis – also Redaktionsbesuche einzelner Schulklassen oder Vorträge renommierter Journalisten an Schulen – schafft zusätzliches Vertrauen.

Drei von vier 18- bis 24-Jährigen empfangen ihre News auf dem Smartphone. Welche digitalen Schritte unternehmen österreichische Zeitungen/Magazine, um gezielt die Jugend zu erreichen?

Zeitungen und Magazine sind längst auf allen Kanälen präsent. Neben gedruckten Ausgaben ist Zeitungscontent über ePaper-Ausgaben, Websites, Apps und natürlich über Social Media abrufbar.

Wir haben erst kürzlich in einer Umfrage unter 16- bis 35-Jährigen erfahren, dass über 50 % der Befragten Angebote von österreichischen Zeitungen und Zeitschriften in ihren Newsfeed aufnehmen.

Welchen Einfluss haben Zeitungen/Magazine auf die politische Meinungsbildung der Jugend vor einer Wahl? Wie können sie junge Menschen politisch aufklären?

Ich denke, Medien im Allgemeinen bzw. Zeitungen und Magazine im Speziellen haben trotz einer Vielzahl anderer Kommunikationskanäle immer noch einen hohen Stellenwert, wenn es um politische Information geht. Durch umfassende und ausgewogene Information über alle politischen Positionen, Vermittlung von Hintergrundwissen, Analyse und Einordnung soll auch für junge Menschen die Grundlage für politische Partizipation geschaffen werden.

„Ausgewogene Information über alle politischen Positionen, Hintergrundwissen, Analyse und Einordnung ist auch für junge Menschen die Grundlage für politische Partizipation.“

Das Projekt „Demokratiewerkstatt“ des Österreichischen Parlaments, das ganz wesentlich mit Printmedien arbeitet, ist sicherlich ein Beleg für die Relevanz von Zeitungen und Magazinen.

Worum geht’s im Digitalpaket für Medienkompetenz von MISCHA?

Natürlich war auch unser Programm durch den Corona-bedingten Lockdown betroffen, da der Einsatz von gedruckten Zeitungen in Zeiten des Distance Learnings schwer zu organisieren ist. Wir haben daher kurzfristig ein neues Angebot entwickelt und die aktuellen ePaper-Ausgaben von über 40 Zeitungen und Magazinen zum Download bereitgestellt.

Um die Lehrerinnen und Lehrer dabei zu unterstützen, das Medienkompetenzprogramm auch in Zeiten des Homeschoolings einzusetzen, hat unsere Redaktion darüber hinaus Arbeitsaufgaben für den Einsatz im Unterricht entwickelt.

Das Digitalpaket wurde sehr gut angenommen – wir konnten in nur wenigen Wochen knapp 9.000 Downloads verzeichnen. Die Teilnahme an diesem Programm ist denkbar einfach – einfach unter www.mischa.co.at registrieren und die ePaper-Ausgaben downloaden. Wir haben übrigens diese Digitalisierungsinitiative genutzt und bieten mittlerweile unser komplettes Programm unter der neuen Marke MISCHA – Medien in Schule und Ausbildung – an.

Fazit: Wie lernen Jugendliche einen verantwortungsvollen Umgang mit Nachrichten?

Im Wesentlichen geht es um Aufmerksamkeit und kritisches Hinterfragen. Die sogenannte Nachrichtenkompetenz ist eine Kompetenz, die man im aktiven und regelmäßigen Umgang mit Nachrichtenmedien gewinnt.

Wir sehen in mehreren Studien, dass die Bereitschaft dazu leider abnimmt, weil sich die Auffassung verbreitet, dass man ohnedies alles über das Internet erfährt bzw. alles gegoogelt werden kann, wenn es wichtig ist. Ich sehe darin eine gefährliche Entwicklung, denn wenn man Nachrichten nur nebenbei und flüchtig konsumiert oder der Überzeugung ist, dass die Nachricht einen findet, wenn sie nur wichtig genug ist, führt das sehr schnell zu einer verengten Sicht oder Pseudowissen.

Unsere Programme sollen hier definitiv entgegenwirken.

 

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