Bildung und Beruf

Neue Ausbildung: Mit Recht in die HAK

Ab diesem Herbst vier kaufmännische Schulen in Österreich sogenannte JusHAKs. Dabei werden Wirtschaft und Recht mit hohem Praxisanteil verknüpft.

Von Erika Hofbauer - 26. Juni 2019

 

Die Handelsakademie Eisenstadt 
ist ganz offensichtlich ein idealer Standort für einen speziellen Ausbildungszweig: die JusHAK.

„Unsere Schule liegt nahe einer Universität, wir haben viele Wirtschaftstreuhänder, Notare sowie Steuerberatungs- und Anwaltskanzleien vor Ort. Dazu kommt noch das Landesgericht“, erzählt Direktorin Johanna Dorner-Resch.

„All diese Faktoren haben bei der Bewerbung der Handelsakademie Eisenstadt den Ausschlag gegeben, einer von derzeit vier JusHAK-Standorten in Österreich zu werden“, so die Direktorin.

Jede HAK kann sich bewerben

Prinzipiell kann sich jede Handelsakademie mit einer Klasse bewerben, sofern die genannten Voraussetzungen zutreffen. Der verordnete Lehrplan ist für alle
derzeit vier Standorte derselbe, 
über die Zahl der Schülerinnen und Schüler kann jedoch die Direktion entscheiden, so Direktorin Dorner-Resch.

Ab September 2019 geht es in Eisenstadt sowie an den ebenfalls neuen JusHAKs in Wien, Linz und Salzburg los.

 

Die Schülerinnen und Schüler der BHAK Eisenstadt können ab Herbst ihr juristisches Fachwissen vertiefen. Foto: Christopher Mavric

 

Die Schulleiterin freut sich, dass ihre Schule zu den derzeit Auserwählten zählt: „Gerade wir im Burgenland haben viele kleine und mittlere Betriebe, die sich vielleicht nicht unbedingt einen Volljuristen leisten können, wohl aber Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die juristische Vorkenntnisse haben.“

 

„Die Berufschancen sehe ich als sehr gut an.“

 

Viele der Absolventen, davon geht man in Eisenstadt aus, werden im Anschluss entweder Jus oder Wirtschaft und Recht studieren.

„Hier sehen wir viel Potenzial. Auch die Kanzleien greifen gerne auf besonders ausgebildete Kräfte zurück. Die Berufschancen sehe ich als sehr groß an“, ist Dorner-Resch überzeugt, denn: „Wie wir alle wissen, spielen Wirtschaft und Recht im Erwachsenenleben sowohl privat als auch beruflich eine tragende Rolle – Bildung in diesem Bereich wird noch wichtiger werden.“

 

Ab diesem Herbst die erste Klassenvorständin des neuen Zweigs am Standort Eisenstadt: Regina Helfrich, Lehrerin für wirtschaftliche Fächer. Foto: Christopher Mavric

 

Prinzipiell wird im Rahmen des für alle Standorte gültigen Lehrplans die kaufmännische Ausbildung, wie sie für HAKs allgemein gültig ist, um einen juristischen Schwerpunkt ergänzt.

Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine praxisorientierte Rechtsausbildung, fundierte Allgemeinbildung, unternehmerisches Denken und Handeln sowie IT-Kompetenz gelegt.

Alltagsrelevanz

Gleichzeitig werden Fachexperten in den Unterricht eingebunden. Die JusHAK soll nicht zuletzt die kleineren und größeren juristischen Aspekte des Alltags in den Vordergrund rücken.

Ronald Gahr, Jurist und Pädagoge am Wiener JusHAK-Standort: „Wir zerpflücken Fragen wie: Was läuft beim Wurstsemmel
kauf im Buffet juristisch ab? Welche Rechte habe ich als Konsument, wenn mein neues Handy nicht funktioniert? Wir bauen konkrete juristische Probleme der Schüler in den Unterricht ein und behandeln diese im Idealfall gleich.“

Auch für die Schulleiterin der HAK Eisenstadt zählt der hohe Anteil an praxisrelevanten Themen zu den Kernkompetenzen des neuen Schwerpunkts.

 

„Die Themen sollen vor allem aus dem direkten Lebensumfeld der Schüler stammen.“

 

„Gerade diese sollen schon von Anfang an vertieft werden und vor allem aus dem direkten Lebensumfeld der Schüler stammen“, sagt Johanna Dorner-Resch.

 

In vier Handelsakademien wird in Zukunft Recht gesprochen. Zumindest im Unterricht. Foto: Christopher Mavric

 

Abgerundet wird das neue Angebot mit Exkursionen und Unternehmensbesuchen, bei denen die Rechtskenntnisse vor Ort erprobt werden.

Besuche von Gerichtsverhandlungen gewähren zudem Einblicke in die Praxis der Rechtsprechung. Zusätzlich können Schülerinnen und Schüler ab dem vierten Jahrgang Vorlesungen an der Universität besuchen, die auch bei einem späteren Studium angerechnet werden.

Ideales Rüstzeug

In Summe soll diese Kombination aus Wirtschafts-Know-how und juristischer Kompetenz ein ideales Rüstzeug sowohl für das Arbeitsleben als auch für eine weiterführende tertiäre Ausbildung liefern.

Eine Herausforderung, die allein in Eisenstadt im kommenden Schuljahr 28 Schülerinnen und Schüler in Angriff nehmen.

 

Die vier neuen JusHAKs:

Handelsakademie Eisenstadt
www.bhak-eisenstadt.at

Vienna Business School Schönborngasse Handelsakademie der Wiener Kaufmannschaft
www.schoenborngasse.vbs.ac.at

HAK2 Salzburg
www.hakzwei.at

Handelsakademie Linz-Auhof
www.hakauhof.at

 

Weitere Informationen:
www.jushak.at

 

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Ein Beitrag aus dem Was jetzt-Magazin, Ausgabe 1/19.