Schwerpunkt: ONLINE-LERNEN

BMHS aktuell: „Videounterricht am besten einfach mal ausprobieren“

Didaktik und Unterrichtsablauf verändern sich im Home Learning komplett. Melanie Zitz-Werban, Professorin für kaufmännische Fächer an der BHAK Neusiedl/See, berichtet über ihre Erfahrungen und hat auch einige Tipps parat.

Von Florian Bayer - 31. März 2020

 

Frau Zitz-Werban, Sie unterrichten sowohl an einer einer HAK als auch an einer Handelsschule. Wie ergeht es ihren Schülerinnen und Schülern derzeit?

Meine Erfahrung ist, dass sich meine HAK-Schüler viel leichter tun, weil sie meistens einen Laptop und einen eigenen Lernplatz zu Hause haben.

Sie finden die Online-Übungen sogar oft praktischer, als alles mit der Hand zu machen.

 

Mag. Melanie Zitz-Werban unterrichtet kaufmännische Fächer an der BHAK/BHAS Neusiedl am See im Burgenland. Überdies ist sie Netzwerkadministratorin an der BHAK Neusiedl. Foto: privat

Mag. Melanie Zitz-Werban unterrichtet kaufmännische Fächer an der BHAK/BHAS Neusiedl am See im Burgenland. Dort ist sie auch als Netzwerkadministratorin tätig. Foto: privat

 

Bei meinen Handelsschülern ist es anders: Leider gibt es nicht immer die nötigen Geräte. Zum Beispiel haben viele nicht die Möglichkeit, die Arbeitsblätter von ihren Lehrenden auszudrucken.

Auch merke ich, dass dort die Sorgen der Eltern stärker auf die Kinder ausstrahlen, in vielen Familien gibt es ja jetzt Kurzarbeit bis hin zu Jobverlust.

Haben die Schulen vielleicht Notebooks und Geräte, die sie verleihen können?

Theoretisch gäbe es das schon, viele Schulen haben Laptops in ihrem Bestand, die jetzt ohnehin nicht verwendet werden.

 

„Leider haben meine Handelsschüler nicht alle die nötigen Geräte, zum Beispiel um Arbeitsblätter auszudrucken.“

 

Das wäre sicher eine gute Lösung. Aber dadurch, dass alles so schnell gehen musste, hat wohl die Zeit dafür gefehlt.

Ich habe in der Handelsschule immerhin eine Tabletklasse, die von der Schule mit Geräten versorgt wurde. Diese Schülerinnen und Schüler erreiche ich auf jeden Fall in der Kommunikation.

Mit welcher Software arbeiten Sie?

Ich arbeite mit der Lernplattform LMS und auch mit Microsoft Teams, wo ich meine Online-Unterrichtsstunden abhalte. Dort arbeite ich mit einer virtuellen Tafel und kann praktische Übungen vorzeigen.

Aber auch der MEHR!-Lernraum und MEHR!-Buchungstrainer sind sehr praktisch. Dort bekommen ich und meine Schülerinnen und Schüler laufend Rückmeldungen über ihren Übungsfortschritt.

Wie ist die Stimmung unter Ihren Schülerinnen und Schülern? Die jetzige Situation ist ja für alle eine Herausforderung.

Meine Klassen, die nicht maturieren, sind recht entspannt. Aktuell mache ich vertiefende Übungen zum Lehrstoff und versuche, meine Schüler und Schülerinnen soweit wie möglich beim Lernprozess durch meinen Online-Unterricht zu unterstützen.

Und wie ergeht es den angehenden Maturantinnen und Maturanten?

In den Maturaklassen merke ich schon eine große Unsicherheit. Die Präsentation der Abschlussarbeiten im Klassenzimmer fällt ja zum Beispiel weg.

Diese Präsentation hätten sich schon einige gewünscht, weil man dadurch die Note verbessern kann und weil es etwas anderes ist, wenn man Face-to-Face über sein Thema sprechen kann.

 

„In den Maturaklassen merke ich eine große Unsicherheit. Geht sich alles aus? Wann wird die Matura sein?“

 

Aber auch andere Fragen beschäftigen meine Maturaklasse: Geht sich alles aus? Werden wir unsere Schularbeiten alle schreiben können? Können sich die Schülerinnen und Schüler ihre Fünfer noch ausbessern? Wann wird die schriftliche Matura sein?

Glücklicherweise sind wir mit dem Stoff noch vor der Corona-Krise fertiggeworden. Momentan wiederholen und üben wir noch Fallstudien, wie sie ja auch zur betriebswirtschaftlichen Fachklausur kommen werden.

 

Gibt es etwas, das Sie anderen (BMHS)-Lehrenden für die jetzige Situation empfehlen würden − sowohl didaktisch als auch in Bezug auf die Lernplattformen? 

Was die Didaktik betrifft, kann ich nur allen Lehrenden empfehlen, Online-Unterricht in Form von Videobesprechungen auszuprobieren. Am Anfang testet man es am besten mit einer Kollegin oder einem Kollegen gemeinsam.

 

Home-Learning-Situation bei Melanie Zitz-Werban, Lehrerin für kaufmännische Fächer an der BHAK Neusiedl/See. Foto: privat

Online-Unterricht bei Melanie Zitz-Werban. Foto: privat

 

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit MS Teams gemacht, das allen Bundesschulen mit den Office 365-Lizenzen zur Verfügung steht. Das Programm ist zum einen sehr selbsterklärend, zum anderen finden sich viele wertvolle Online-Tutorials im Internet, etwa direkt vom Hersteller.

Mit diesem Tool habe ich bereits einige Stunden bis zu 24 Schülerinnen und Schüler online unterrichtet und dabei eine virtuelle Tafel, Excel oder PowerPoint verwendet, da ich meinen Bildschirm mit der Klasse online teilen kann.

Haben Sie noch weitere Tipps?

Was Lernplattformen betrifft, bin ich ein Fan von lms.at, da mit dieser Lernplattform viele wichtige Unterrichtsfunktionen vereint werden. Unter anderem gibt es die Möglichkeit, meinen Klassen in den jeweiligen Kursen Dateien in die Bibliothek hochzuladen.

Auch kann man online Aufgaben zur Verfügung stellen oder digital abgeben lassen, die dann in die Beurteilung im LMS übernommen werden können.

Für Lehrende gibt es einen sehr großen Materialpool für alle Gegenstände und Schülerinnen und Schüler können ihre Kompetenzen in den verschiedensten Bereichen mithilfe von OTP (Opportunity to Practice) trainieren.

 

 

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Ein Beitrag aus der Was jetzt-Redaktion.