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Körper und Geist: Tipps für die psychische Gesundheit der Jugend

Im Schwerpunkt „Körper und Geist“ sammeln wir Tipps für das psychische Wohlbefinden von Schüler/innen. Darunter: Wie sie positiv denken, neue Kraftquellen entdecken, Achtsamkeit lernen und über innere Konflikte sprechen.

Florian Wörgötter - 22. April 2021

MEHR_wasjetzt Schwerpunkt Körper und Geist: Psychische Gesundheit der Jugend

Ein neues Instrument zu lernen kann neue Kraft geben: Im Schwerpunkt Körper und Geist erklären wir, wie positives Denken und Achtsamkeit die psychische Gesundheit der Jugend immunisieren können.

Diverse Studien zum psychischen Wohl während Corona besagen, dass Jugendliche am meisten unter den Einschränkungen leiden. Daher widmen wir der Jugend einen Schwerpunkt zum Thema „Körper und Geist“. In diesem Artikel haben wir Tipps für die psychische Gesundheit der Jugend von diversen Fachstellen gefiltert und zusammengefasst.

Unter den Quellen finden sich Ratschläge von 147 – Rat auf Draht, Jugendinfo/Wienxtra, der GIVE-Servicestelle für Gesundheitsförderung an Österreichs Schulen, den Superhands und der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LMU Klinikums​ München.

In einem weiteren Artikel präsentieren wir vier Videos für mehr körperliche Bewegung beim Online-Lernen.

Positiv denken

Es ist meist leichter gesagt als getan, doch wer positives Denken lernt, kann auch seine Perspektive in Krisen verändern. Oftmals braucht es nur einen neuen Blickwinkel, um auch in Schieflagen Positives zu erkennen. Wann immer also ein negativer Gedanke auftaucht, sollte man versuchen, ihn durch einen anderen, ermutigenden Gedanken zu ersetzen.

Empfehlenswert ist auch, sich auf jene Dinge zu fokussieren, die man selbst kontrollieren kann. Alle Maßnahmen rund um das Virus liegen außerhalb des eigenen Einflussbereiches. Daher ist es wichtig, sich persönliche Ziele zu setzen, auf die man auch selbst einwirken kann. Hier ein paar Tricks.

Jugendliche sollten sich klarmachen, wie stark sie eigentlich sind. Es kann helfen, wenn sie ihre Eigenschaften und Talente notieren oder am Smartphone abspeichern und sich immer wieder vergegenwärtigen, wie sehr ihnen diese Stärken in Zeiten von Corona helfen können.

Eine persönliche „Schatzkiste“ kann persönliche Gegenstände sammeln, die einem persönlich gut tun: Konzertkarten, Fotos, eine Liste von Erfolgen, auf die man stolz ist. Wenn man sie sich in Erinnerung ruft, fühlt man sich automatisch besser.

Positives Denken entsteht auch, wenn man sich auf etwas freuen kann. Daher sollte man sich täglich auch Gutes gönnen und es bewusst genießen – einen Podcast, einen Spaziergang im Grünen oder ein Telefonat mit Freunden. Insbesondere die kleinen Dinge des Alltags können große Freude machen: die warme Sonne im Gesicht, ein köstliches Eis oder das Lächeln eines Bekannten, nachdem man ihn überrascht hat.

Entspannen durch Achtsamkeit

Der Kontrollverlust durch die Corona-Pandemie löst bei vielen Jugendlichen Stress aus. Dazu kommen auch Streit mit der Familie oder Schwierigkeiten beim Distance Learning. Stress kann zu Nervosität, Gereiztheit, Angst und Überforderung führen, die sich auch körperlich auswirken – in Kraftlosigkeit, Verspannungen, Schlafstörungen oder sogar Depressionen.

Das Prinzip der „Achtsamkeit“ beschreibt einen Zustand, in dem die Aufmerksamkeit komplett auf das Hier und Jetzt gerichtet ist. Vergangenes und Zukünftiges werden ausgeblendet, der Gedankenstrom wird unterbrochen – der Stress wird reduziert.

Die „Staubsaugerübung“ eignet sich, um Emotionen und Spannungen im Körper zu erkennen und sofort abbauen zu können. Im Sitzen stellen sich die Jugendlichen negative Gefühle vor – Streit mit Freunden oder Nervosität vor Schularbeit – , was sie dabei fühlen und an welchen Stellen sich der Körper anspannt. Nun sollen sie visualisieren, wie alle Anspannungen mit einem Staubsauger aufgesaugt werden. Dabei spannen sie fünf Sekunden lang ihren ganzen Körper an: Sie ziehen die Schultern hoch, spannen die Arme an, ballen die Hände zu Fäusten und kneifen das Gesicht fest zusammen. Nach fünf Sekunden lassen sie locker und visualisieren in Gedanken, dass alles Aufgesaugte abfällt, in Teilchen zerfällt, die dann weggepustet werden. Dieser Ablauf soll circa fünfmal wiederholt werden.

Weitere Achtsamkeitsübungen wie das „Fingerchaos“ und die „Rosinen-Sinnesschärfung“ finden Sie hier.

Neue Kraftquellen entdecken

Corona-Maßnahmen schränken Hobbys außerhalb der eigenen vier Wände ein. Wer aber offen für neue Hobbys ist, kann auch neue Interessen und Stärken entdecken, die einem ebenso neue Kraft geben. Zum Beispiel: Fotografieren in der Natur, ein neues Instrument lernen oder einen Blog zu seiner Leidenschaft gründen.

Auf YouTube finden sich zu jedem Hobby lehrreiche Tutorials mit Tipps und Tricks von Profis oder Unterrichtenden, die ihr Wissen kostenlos zur Verfügung stellen. Auch neue Techniken oder einfache Basics lassen sich mit etwas Disziplin selbst beibringen. Wer Spaß an Kreativität hat, wird auch bald erste Erfolge erzielen, die zu einer neuen Perspektive führen können: Statt zu bedauern, was in der Corona-Zeit alles verpasst wurde, darf man sich nun freuen, was man alles entdeckt und gelernt hat.

Allerdings sollte man in seiner Freizeit versuchen, die Zeit am Smartphone und Computer zu reduzieren. Denn zu viel Screen Time kann wiederum Stress verursachen, der zu psychischer Belastung beitragen kann. Außerdem kursieren auf WhatsApp, Facebook, Instagram und Co. auch kraftraubende Quellen: Gerüchte, Fake News und erfundene Prognosen können sehr verunsichern. Eine große Hilfe für einen gemäßigten Smartphone-Konsum etwa ist die Überwachung der Bildschirmzeit.

Über Konflikte sprechen

Der veränderte Alltag durch Corona kann verwirrende Gefühle auslösen: Angst, Sorge, Traurigkeit, Wut, Hilflosigkeit – im schlimmsten Fall alles auf einmal. Wichtig ist, dass diese Gefühle als vollkommen normal angenommen werden. Es hilft, die Emotion zu benennen und sich zu sagen: „Es ist okay, dass ich traurig, wütend oder ratlos bin.“ Das Positive an jedem negativen Gefühl: Es wird auch wieder vergehen.

Schneller verbessern sich Gefühle aber, wenn man sie, anstatt sie in sich hineinzufressen, mit der Familie oder dem Freundeskreis teilt. Ein Problem, das man ausspricht, ist schon zur Hälfte bewältigt. Daher ist es auch wichtig, soziale Kontakte weiterhin zu pflegen und sich regelmäßig auszutauschen – online, telefonisch oder persönlich. Oftmals plagen Freunde die ähnlichen Probleme.

Wenn man sich aber längere Zeit schlecht fühlt, sollte man professionelle Hilfe bei den oben genannten Fachstellen holen. Insbesondere, wenn es um folgende Themen geht: Essstörungen, Sucht, Schlafstörungen, selbstverletzendes Verhalten oder Gewalt in der Familie.

Das psychische Wohl hängt natürlich symbiotisch mit der Gesundheit des Körpers zusammen. Sportliche Tipps für einen gesunden Körper haben wir in diesem Artikel versammelt.

Dass psychischer und körperlicher Druck auch in der Politik steigt, hat der Rücktritt von Gesundheitsminister Rudolf Anschober gezeigt. MISCHA – Medien in Schule und Ausbildung hat Ihnen dieses Thema druckfertig in einem WissenPlus aufbereitet.

 

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