Schwerpunkt: Medienkompetenz

So geht MEDIEN: Das deutsche Lexikon der Medienkompetenz

ARD und ZDF haben mit „So geht MEDIEN“ eine innovative Online-Plattform für Schulen geschaffen. Lehrende finden dort 50 unterhaltsame Videos aus der Welt der Medienkompetenz samt Unterrichtsmaterial zum Thema Handysucht.

Florian Wörgötter - 25. Februar 2021

MEHR_wasjetzt_ So geht MEDIEN © Bayerischer Rundfunk / MMD

Wie geht Medienkompetenz? Die preisgekrönte Plattform „So geht MEDIEN” von ARD, ZDF und Deutschlandradio zeigt es Lehrenden – mit unterhaltsamen Erklärvideos und informativem Lehrmaterial.

Filterblasen, Fake News, Verschwörungsmythen, Influencer, Extremismus – Deutschlands öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat mit „So geht MEDIEN” ein ABC der Medienkompetenz entwickelt. Die preisgekrönte Plattform mit mehr als 50 Videos – viele davon mit Lehrmaterialien – richtet sich vorwiegend an Schulen, hält aber auch Erwachsene auf dem Laufenden.

„Die jugendlichen ,Mobile Natives‘ wachsen mit völlig neuen Mediengewohnheiten auf“, sagt die promovierte Medienpädagogin Maya Götz. Sie und ihr Team haben für den federführenden Bayerischen Rundfunk die meisten Unterrichtseinheiten erstellt. „Wir testen die meisten Einheiten mit Klassen und optimieren so lange, bis sie Spaß machen und nachweisbar kritische Medienkompetenz fördern.“ Die Lehreinheiten seien so gestaltet, dass Jugendliche einen Aha-Effekt erleben, der sie zu kritischen Fragen gegenüber ihrer Medienwelt anregen soll.

So geht Medienkompetenz

Die Webseite von „So geht MEDIEN” gliedert sich in vier Rubriken. Die „Medien-Basics“ erklären die Grundlagen von Nachrichten, Internetsucht, Influencern/Influencerinnen oder Urheberrecht auf YouTube. „Stimmt das?“ hinterfragt die Stolperfallen der modernen Medienwelt wie Fake News, Verschwörungsmythen und Extremismus.

Die Rubrik „ARD & ZDF“ erklärt spielerisch den öffentlich-rechtlichen Auftrag und seine Bedeutung für die Demokratie. Beim „Selbermachen“ leiten mehrteilige Videotutorials die Schüler/innen an, eigene Videos zu produzieren, vor der Kamera zu moderieren oder einen YouTube-Kanal zu befüllen. Besonders informativ (auch für Lehrende) dürfte das Video-Lexikon sein, mit einem ABC der wichtigsten Schlagworte der Medienwelt.

„Langeweile ausgeschlossen“

Die Erklärvideos mit einer Länge zwischen 3 und 11 Minuten sind sehr unterhaltsam produziert und orientieren sich an den Sehgewohnheiten junger Menschen. Die wechselnden Moderatoren und Moderatorinnen kombinieren den fachlichen Info-Charakter einer Tagesschau mit dem schnellgeschnittenen Entertainment eines YouTube-Kanals.

Alle Erklärvideos hier beinhalten auch Lehrmaterial mit vertiefenden Informationen, Stundenabläufen, Arbeitsblättern und einem Quiz – manche davon auch in einfacher Sprache. Einige Themen werden auch als Spiel oder als Rätsel angeboten.

Eine Schulstunde zur Handysucht

Schauen wir uns das Lehrmaterial von „So geht MEDIEN“ anhand eines aktuellen Beispiels an, das Erwachsene und Jugendliche gleichsam betrifft: Ab wann bin ich abhängig von meinem Handy?“

Die detaillierten Vorschläge für eine 45-minütige Unterrichtseinheit sollen folgende Lernziele erfüllen: Die Schüler/innen sollen sich ihrem Handygebrauch bewusst werden und diesen gezielt selbst reflektieren. Außerdem sollen sie Chancen erkennen, wie sie ihren Smartphone-Konsum auch im Alltag reduzieren können.

Die vertiefenden Informationen ergänzen Zahlen und Fakten zum Thema Handysucht, ihre Gefahren und Anzeichen sowie Tipps, mit denen die Handyzeit verkürzt werden kann.

Ein 11-minütiges Video schickt drei Mädchen in ein Experiment: Sie sollen ihr Handyverhalten innerhalb einer Woche ändern, was anhand der Bildschirmzeit des Smartphones kontrolliert wird. Begleitend wird erklärt, welche Rolle das Dopamin im Körper spielt, wenn wir immer wieder zum Smartphone greifen.

Ein einseitiges Arbeitsblatt mit zwei Aufgaben hilft den Schülerinnen und Schülern, sich einem der Nutzungstypen im Video zuzuordnen und Strategien für eine bewusstere Handynutzung zu finden. Zum Abschluss kann ein Quiz das Gelernte prüfen.

Weitere spannende Themen von „So geht MEDIEN“ mit Unterrichtsmaterialen: „Gefangen in der Filterblase − So entlarvt man Verschwörungstheorien“, „Extremismus im Netz erkennen“ oder „Fake News im Netz erkennen“.

Wer erklärt mir das neueste Meme?

Wie Lehrende auch das Gehör ihrer medienaffinen Schüler/innen gewinnen? „Seien Sie offen für die Medienwelten der Schüler/innen. Lassen Sie sich die neuesten sozialen Netzwerke und Memes erklären“, empfiehlt Maya Götz. Denn: „Medienaffine Jugendliche sind neugierig auf Medienkompetenz – solange Lehrende nicht gleich jeden Trend infrage stellen.“

Alle Videos von „So geht MEDIEN“ mit Unterrichtsmaterial finden sich hier zum Download.

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