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Unübersetzbare Wörter: Einfach einzigartig

Gatsugatsu, Juguaad oder Kaapshljmurslis: Für manche Begriffe in anderen Sprachen gibt es keine genaue deutsche Entsprechung. Wir stellen Ihnen die erstaunlichsten dieser eigentlich unübersetzbaren Wörter vor. 

Von Stefan Schlögl - 21. November 2018

 

Tsundoku
Dieses japanische Wort können Sie verlässlich nach dem Heiligen Abend einsetzen, bedeutet es doch „ungelesene Bücher, die sich zu Hause stapeln“.

Uitwaaien
Auch ein praktischer Begriff, den Sie in der Weihnachtszeit einsetzen können. Ist Niederländisch und bedeutet „hinausgehen und sich den Kopf und die düsteren Gedanken vom Wind durchwehen lassen“. Wenn Sie schon einmal unterwegs sind, können Sie dann das machen:

Boketto
Ein Begriff aus dem Japanischen, der übersetzt nichts anderes heißt als: „Verträumt durch die Gegend schauen“.

Gatsugatsu
sagt der Japaner bzw. die Japanerin übrigens, wenn er oder sie vor Verlangen brennt. Achtung, kann auch missverstanden werden, schließlich führt Gatsugatsu nicht nur zu „Doki Doki“ (Herzrasen), es meint auch „das Essen hinunterschlingen“.

Wabi-Sabi
kann man wider Erwarten nicht im japanischen Restaurant ordern, es bedeutet so viel wie „die Schönheit der Unvollkommenheit“.

Lagom
Einer dieser skandinavischen Wellness-Begriffe, die zurzeit als Synonym für das „Neue Biedermeier“ herhalten dürfen. Kommt aus dem Schwedischen, auf Deutsch bedeutet es so viel wie: exakt die richtige Menge von etwas.

Juguaad
ist kein Joghurt, sondern beschreibt auf Hindi die Kunst „mit einfachsten Mitteln zu improvisieren“. Kennt man vielleicht aus dem Unterrichtsalltag.

Kaapshljmurslis
beschreibt im Finnischen eine ebenfalls hinlänglich bekannte Situation, meint doch dieses schöne Wort „in öffentlichen Verkehrsmitteln eingequetscht sein“. In Wien als U6-Kaapshljmurslis bekannt und gefürchtet.

Jayus
Auch ein Bringer in der Weihnachtszeit, zumindest beim obligaten familiären Beisammensein: Dieses Wort steht im Indonesischen für einen Witz, der so schlecht erzählt wird, dass man darüber fast schon wieder lachen muss.

Prozvonit
klingt zwar wie die Reaktion eines Tschechen, wenn neben ihm einer geniest hat. Tatsächlich aber heißt es: bei jemandem am Handy anzurufen und es nur ein Mal klingeln zu lassen, damit der Angerufene zurückruft. 

Iktsuarpok
In der Sprache der Inuit steht dieses einzigartige Wort für das Gefühl freudiger Erwartung oder Unruhe, die jemand hat, der zu Hause auf Besuch wartet und immer wieder vor die Tür tritt oder durchs Fenster blickt, um zu schauen, ob die Person schon da ist.

Mamihlapinatapai
Dieses Wortungetüm stammt aus einer aussterbenden Sprache namens Yaghan. Die wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts von einer ethnischen Gruppe auf Feuerland (Chile) gesprochen, heute gibt es angeblich nur noch eine einzige Muttersprachlerin. Sie hinterlässt uns einen Begriff, der nichts anderes heißt als „zwei oder mehr Menschen sitzen zusammen und kommen durch Blickkontakte zu der stillschweigenden Übereinkunft, dass etwas unternommen werden muss, aber niemand möchte den ersten Schritt setzen“. Lässt sich vielleicht ganz gut in einem Meeting einsetzen.

Tartle
Beschreibt das Zögern, das eintritt, wenn einem der Name des Menschen, den man vorstellen möchte, einfach nicht einfällt. Den Schotten haben wir diesen schönen Begriff für eine unschöne Situation zu verdanken.

 

In dieser Zusammenschau von Begriffen, die sich wörtlich nicht übersetzen lassen, dürfen natürlich jene einzigartigen Wörter nicht fehlen, die das Deutsche bereithält. Als da zum Beispiel wären:

 

Kummerspeck
Wenn der Kummer da ist, ist der Kühlschrank nicht weit. Lässt sich wörtlich nicht wirklich übersetzen. „Grief bacon“ auf Englisch? Eher nicht.

Schadenfreude
Dass es nur im Deutschen einen Begriff dafür gibt, wenn das Unglück anderer Freude und Heiterkeit auszulösen vermag, lässt eigentlich tief blicken. Ein guter Grund zum:

Fremdschämen
Jemandem dabei zusehen, wie er oder sie sich lächerlich macht – und sich selber für den peinlichen Anblick schämen. Hochkomplexe Emotion, wahrscheinlich deswegen nicht so einfach übersetzbar.

Torschlusspanik
Auch dafür gibt es in anderen Sprachen keine direkte Entsprechung, für das Gefühl nämlich, im Leben noch nicht alles erreicht zu haben, was man sich vorgenommen hat, und wenn nun kräftig die Zeit drängt.

Watscheng’sicht
Gibt es so nur in Österreich. Oder in Deutschland, dann als „Backpfeifengesicht“. Muss man nicht großartig erklären. Entweder man hat es. Oder man hat es nicht.

 

Literaturtipp

Viele der oben angeführten Wörter finden sich in diesem lesens- und sehenswerten Buch:

Ella Frances Sanders
Lost in Translation. Unübersetzbare Wörter aus der ganzen Welt 
Übersetzt von Marion Herbert
112 Seiten, DuMont Verlag, 2018
18 Euro

 

 

 

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Ein Beitrag aus der Was jetzt-Redaktion.