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WissenPlus: Afghanistan – ein Überblick zur Orientierung im Chaos

Geschichte und Politische Bildung: Nach dem Abzug der NATO-Truppen hat die Machtübernahme der Taliban Afghanistan ins Chaos gestürzt. Unser Unterrichtsmaterial erklärt die historische Entwicklung des Landes.

Mag. Helmut Wagner, MSc - 16. September 2021

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Dieser WissenPlus Beitrag bietet Einblicke in verschiedene Aspekte von Politik, Geschichte und Gesellschaft: Ein tabellarischer Überblick bringt Basisdaten zu Land, Bevölkerung, Wirtschaft und Lebensstandard. Wo möglich, können Bezüge zu Österreich hergestellt werden.

Wesentlich zum Verständnis ist ein historischer Überblick. Er zeigt, dass Afghanistan in den letzten 100 Jahren ein permanenter Kriegsschauplatz war und es seit den letzten fünf Jahrzehnten keiner Generation gegönnt war, in Frieden zu leben.

Damit steht im Zusammenhang, dass das Land, gelegen im Schnittpunkt von Zentral- und Südasien, stets im Interesse konkurrierender Großmächte stand. So ist es nicht verwunderlich, dass Afghanistan von einigen Machthabenden und Wissenschafterinnen und Wissenschaftern als „gescheiterter Staat“ bezeichnet wird. Hier ist auf die dominante Rolle von Stämmen und Clans hinzuweisen.

Ziel der Arbeitsaufgaben ist es, Hintergründe zur aktuellen Situation in Afghanistan zu vermitteln und Anregungen zu eigener Recherche zu geben.

So werden u. a. die folgenden Fragen thematisiert:

  • Wie können Afghanistan und Österreich hinsichtlich statistischer Basisdaten verglichen werden?
  • Was bedeuten Begriffe wie Scharia, Burka, Dschihad, Mudschaheddin?
  • Welche Rolle spielte Afghanistan im Interesse der Großmächte?
  • Was waren die inneren und äußeren Machtfaktoren in Politik und Gesellschaft Afghanistans?

 

 

Auszug aus dem Beitrag

Afghanistan im internationalen Kontext

Die Bergregion im Schnittpunkt von Zentral- und Südasien war stets ein schwer zu kontrollierendes Gebiet zwischen den großen Reichen in Indien, im Iran und Zentralasien.

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Afghanistan – Quelle: Hölzel Verlag

  • Im 19. Jahrhundert wurde es eine Pufferzone zwischen den bestimmenden imperialistischen Mächten: den Briten, die von Indien aus in Richtung Norden vordrangen, und dem zaristischen Russland, das von Zentralasien aus nach Süden vordrang. Dennoch konnte Afghanistan seine Unabhängigkeit bewahren. Seine Rolle als Pufferstaat konnte das Land für lange Zeit behaupten.
  • In der Zeit des „Kalten Krieges“ wurde Afghanistan zum Spielball seiner Nachbarn. Die Invasion durch die Sowjetunion 1979 rief ihre Rivalen auf den Plan. Die USA, Pakistan und Saudi-Arabien unterstützten verschiedene Gruppen der Mudschaheddin. Islamistische Kämpfer aus verschiedenen islamischen Ländern wurden nach Afghanistan gebracht, um gegen die Sowjetunion und die afghanische Armee zu kämpfen.
  • Mit dem Abzug der Sowjetunion begann die Zeit des Bürgerkrieges zwischen den verschiedenen Mudschaheddin-Gruppen. Vor allem von Pakistan aus erfolgte die Unterstützung der Taliban, die zwar das Chaos des Bürgerkriegs beendeten, aber mit der Errichtung des Islamischen Emirats Afghanistan ein totalitäres Gewaltmonopol etablierten.
  • Der Anschlag auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington, durchgeführt von der islamistischen Terrorgruppe Al-Qaida, führte zum Angriff der USA und verbündeter NATO-Truppen auf das Taliban-Regime in Afghanistan. In der Folge erhielt im Rahmen einer internationalen Stabilisierungsmission Afghanistan eine neue Verfassung. Doch die erhoffte Demokratisierung blieb Stückwerk. Die Taliban zogen sich in den ländlichen Raum und ins pakistanische Grenzgebiet zurück. Der schrittweise Rückzug der US-Truppen führte schließlich zur erneuten Machtübernahme durch die Taliban im August 2021.

Für die Zukunft zeichnet sich ab, dass vor allem Russland und China in das entstehende Machtvakuum vorstoßen könnten. Vor allem die reichen Bodenschätze wecken Begehrlichkeiten der VR China, die schon ihr Interesse beim Wiederaufbau, der Erneuerung und der Sanierung Afghanistans bekundet hat.

Afghanistan und seine Nachbarländer – Quelle: Hölzel Verlag

Die Taliban-Bewegung

Der Begriff „Taliban“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Schüler und Studenten“, „Taliban“ ist die Pluralform von „talib“ (der Schüler/der Student). Die Taliban-Bewegung entstand in den frühen 1990er-Jahren als Organisation paschtunisch-afghanischer Flüchtlinge in religiösen Schulen in Pakistan. Ihre Gründung wurde von Pakistan und zunächst auch von den USA finanziell und materiell unterstützt. Unter strenger Auslegung der Scharia sorgten sie für Ordnung, wo es infolge des Bürgerkrieges schon lange keine mehr gab.

Die Taliban sind streng hierarchisch organisiert. Der religiöse Anführer (seit 2016 Mawlawi Haibatullah Achundsada) ist die höchste Autorität in allen politischen, militärischen und religiösen Angelegenheiten.

Zunächst wurden die Taliban vom Großteil der Bevölkerung willkommen geheißen. Aber mit ihrer Machtübernahme begann für die Bevölkerung ein Schreckensregime, das sie nahezu ins Mittelalter zurückwarf. Frauen wurden massiv unterdrückt und gezwungen, in der Öffentlichkeit eine Burka zu tragen. Das Land geriet international ins Abseits, Handel und Wirtschaft kamen zum Erliegen, die Bevölkerung litt unter Hunger und Krankheit.

Zusätzlich nahmen die Taliban Dschihadisten aus aller Welt auf. Auch der international gesuchte Terrorist Osama Bin Laden und seine Terrororganisation Al Qaida fanden Unterschlupf in Afghanistan. Nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 wurde das Land aufgefordert, Osama Bin Laden auszuliefern. Dem verweigerte sich die Taliban-Regierung jedoch, und so wurde Afghanistan erneut zum Kriegsschauplatz. Die Armeen der USA und der verbündeten NATO-Staaten befreiten das Land von der Herrschaft der Taliban. 2014 endete die NATO-Kampfmission. Nach dem Abzug der Truppen sorgten die Taliban in vielen Provinzen mit Gewalt und Anschlägen dafür, dass Afghanistan instabil blieb.

Der Export von Opium und Heroin ist die Haupteinnahmequelle der Taliban-Vereinigung. Nach UN-Schätzungen konnten 2018 und 2019 mehr als 400 Millionen Dollar durch den Drogenhandel eingenommen werden, laut US-Angaben sind dies 60 % der gesamten Einnahmen der Terrorgruppe.

Ende 2020 kündigte der damalige US-Präsident Donald Trump an, sämtliche US-Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen. Dies begann im Mai 2021. Gleichzeitig rückten die Taliban wieder vor und stießen beim afghanischen Militär kaum auf Widerstand. Mitte August 2021 übernahmen sie erneut die Macht im Land. Expertinnen und Experten warnen davor, dass sich die ideologische Ausrichtung der Taliban in den vergangenen 20 Jahren nicht verändert habe.

Weitere Informationen: Guido Steinberg (2011): Taliban. In: Dossier Afghanistan. Bundeszentrale für politische Bildung und Astrid Prange de Oliveira (2021): Wer sind die Taliban. In: Deutsche Welle.

Gesamter Beitrag für den Unterricht

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Ein Beitrag aus der Was jetzt-Redaktion.