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WissenPlus: Öffentliche Güter und Steuerehrlichkeit

Betriebswirtschaft: Sogenannte Public-Goods-Games können helfen, Schülerinnen und Schüler für die Bedeutung von Steuern zu sensibilisieren. Hier ein Beispiel für den Einsatz im Unterricht.

Von Rosanna Steininger, MSc und Nora Cechovsky, MSc - 11. April 2018

 

Den Ländern der europäischen Union entgehen laut der Europäischen Kommission (2018) durch Steuervermeidung und Steuerhinterziehung jährlich ca. eine Billion Euro an Steuereinnahmen. Neben Steuergesetzen, die sogenannte Schlupflöcher schließen und der Androhung finanzstrafrechtlicher Folgen, ist gezielte Steuerbildung eine Möglichkeit, Steuerehrlichkeit zu fördern.

Im Rahmen öffentlicher Güter und staatlicher Leistungen profitieren Schüler/innen täglich von der Verwendung der Steuerabgaben. Um welche Güter und Leistungen es sich handelt, ist jedoch nicht für alle Schüler/innen klar ersichtlich, dies zeigt eine Interviewstudie, die zwischen 2016 und 2017 bei Schüler/innen der vierten Klasse von Handelsakademien durchgeführt wurde (vgl. Cechovsky, 2017).

Notwendigkeit von Steuern

Wissen über den Zusammenhang zwischen der Finanzierung öffentlicher Leistungen und der Einhebung von Steuern trägt zu einem besseren Verständnis der Notwendigkeit von Steuern bei (vgl. Steininger, 2017).

Die Förderung von Steuerbildung ist insbesondere für Schüler/innen kaufmännischer und wirtschaftlicher Schulen von hoher Relevanz, da diese das Handwerkszeug zur Unternehmensgründung mitbekommen und selbständige Unternehmer/innen verstärkt die Möglichkeit haben, Steuern zu hinterziehen. Zudem sammeln Schüler/innen als Konsument/innen, bei der Entscheidung für eine politische Partei oder im Rahmen erster beruflicher Tätigkeit als Arbeitnehmer/innen erste Erfahrungen mit Steuern.

Doch wie kann ein Verständnis für die Relevanz von Steuerehrlichkeit im Rahmen des Unterrichts gefördert werden?

Public-Goods-Games

Eine Möglichkeit sind Public-Goods-Games (auch Öffentliche-Güter-Spiele) genannt. Im Zentrum von Public-Goods-Games steht die Frage, unter welchen Umständen Menschen bereit bzw. nicht bereit sind, öffentliche Güter zu finanzieren und welche Folgen sich durch Trittbrettfahrer/innen ergeben.

Public-Goods-Games sind experimentelle Spiele, im Rahmen derer das soziale Dilemma der Finanzierung öffentlicher Güter untersucht wird. Ein soziales Dilemma liegt vor, wenn das rationale Handeln einer Person zu einem nachteiligeren Ergebnis führt, als das Ergebnis der kollektiv abgestimmten Zusammenarbeit.

Pro Spielrunde zahlt jede/r Bürger/in einen Beitrag in einen gemeinsamen Topf ein, aus dem ein öffentliches Gut finanziert werden soll. Der in Geld bemessene Nutzen ergibt sich aus den gesamten eingezahlten Beiträgen. Zusätzlich werden die in den Topf „geworfenen“ Beträge mit einem bestimmten Faktor multipliziert, damit ein Anreiz zur Einzahlung von Beiträgen geschaffen wird (Nutzenzuwachs).

Der Gesamtnutzen ergibt sich aus den eingezahlten Beiträgen und dem Nutzenzuwachs. Dadurch entsteht zum Beispiel pro Euro, der in das öffentliche Gut investiert wird, ein um 10 % höherer Nutzen. Der in Geld gemessene Nutzen für einen investierten Euro beträgt bei diesem Multiplikator von 1,1 (+10%) 1,10 Euro.

Da bei öffentlichen Gütern niemand von der Nutzung ausgeschlossen werden kann, wird der Gesamtnutzen durch die Anzahl der Spielerinnen geteilt. Auch jene Spieler/innen die wenig oder gar nichts in den öffentlichen Topf einbezahlt haben, profitieren im gleichen Maße von der Nutzung. Zudem behält jede/r Spieler/in den nicht ausgezahlten Betrag als Restkapital.

Didaktische Tipps und Hinweise

Im vorliegenden WissenPlus-Beitrag wurde ein einfaches Public-Goods-Game entwickelt, das für den zeitökonomischen Einsatz in der Klasse geeignet ist. Durch die Durchführung eines Experiments im Klassenverband wird das soziale Dilemma der Finanzierung öffentlicher Güter und Leistungen persönlich erfahrbar und bietet einen Anknüpfungspunkt für die anschließende Vermittlung der komplexen Thematik.

Im Spielverlauf wird die Bedeutung der kollektiven Finanzierung öffentlicher Güter verdeutlicht und zudem das Problem der mangelnden Bereitschaft zur Zahlung öffentlicher Güter und Leistungen (sogenannte Trittbrettfahrereffekte) veranschaulicht.

Das Spiel kann sowohl an wirtschaftlichen bzw. kaufmännischen Schulen (beispielsweise im Fach Unternehmensrechnung, im volkswirtschaftlichen Unterricht oder als Einführung in den Wirtschaftskreislauf), als auch im wirtschaftlichen Unterricht an allgemeinbildenden höheren Schulen eingesetzt werden.

Schulbuchbezug

Für den Unterricht

Den gesamten Beitrag zum Download inklusive Übungsbeispiele, Power Point Präsentation und Lösungen finden Sie im MANZ Online-Lehrerzimmer unter WISSENPLUS.